Sebastian Edathy - Wenn ein Täter zum Opfer wird

von FLORIAN PASTERNY

 

Es ist ein schwieriger Fall - ein Zerwürfnis, eine schwere Frage zwischen Moral, Recht und Gerechtigkeit, die Problematik der Nachweisbarkeit von Würde und dem Verlust von Würde seitens der Täter und Opfer gleichermaßen. Sebastian Edathy ist in erster Linie ein Opfer seiner selbst. Konsument von Kinderpornografie, arrogantes Gehabe und übermäßige Selbstüberschätzung - die perfekte Mischung um die Volksseele zum brodeln zu bringen, wenn dieser Edathy Recht erfährt, welches man ihm eigentlich absprechen wollen würde.

Sebastian Edathy hatte sich bundespolitisch einen Namen gemacht. Mit der Aufklärung der NSU-Morde hat er sich eine respektable Reputation erarbeitet und ihn zum Anwärter etwaiger Regierungsposten gemacht. 16 Jahre lang war er Abgeordneter im Deutschen Bundestag und damit ein Mann, der Vertrauen genießt und der ein Vorbild sein musste.

"Kinderpornografie" - ein Wort wie eine Fessel des eigenen Verstandes. Hören wir dieses Wort, lesen wir dieses Wort - dann neigen wir zu emotionalen Reaktionen und schalten unser Denken weitgehend aus. Und dies macht die Affäre "Edathy" derzeit so gefährlich. Denn Sebastian Edathy ist, laut Unschuldsvermutung, unschuldig. Ob man es nun gut findet oder nicht - er ist kein verurteilter Täter. Behandelt wird er wie einer - und wie. Sebastian Edathy wird in sozialen Netzwerken zum "Abschuss freigegeben", Petitionen werden gestartet und selbst ernannte Rächer wie Jan Leyk (ich erkläre gleich wer das sein soll) schreiben in aggressiver Art und Weise Mord- und Folterfantasien nieder.

Ich kannte Jan Leyk nicht. Dieser infantile, peinliche und verblödete Ex-Soap Darsteller und Möchte-Gern-DJ schafft es, eine ganze Anti-Edathy Gemeinde hinter sich zu vereinen und Edathy die Würde abzusprechen, die kein Mensch jemals einem anderen Menschen nehmen kann. Jan Leyk übrigens wurde damals von RTL2 gefeuert weil er seine Freundin würgte, wegen diverser Einbrüche und weiterer strafrelevanter Tatsachen. Und so ein geistiger Tiefflieger erdreistet sich nun, einem anderen Menschen die Würde zu nehmen. Das schaffen nicht einmal die Opfer Edathys.

Wer sind die Opfer von Sebastian Edathy? Die Kinder, auf deren Posingbilder sich Sebastian Edathy einen runtergeholt hat. Er hat sich für diesen Fehler entschuldigt und sieht seinen Fehler ein. Er zahlt 5000 Euro für die Einstellung des Verfahrens und damit ist die Sache abgeschlossen. Ist sie leider nicht. Denn eine Entschuldigung ist in so einem ekelhaften Fall nur schwer zu akzeptieren. Eine Einstellung des Verfahrens war ebenfalls nicht wirklich vom Volk gewollt. Ein ordentliches Gerichtsverfahren, inklusive Urteil, wäre sicher angenehmer gewesen. Aber wir können dies nun nicht ändern. Und müssen es akzeptieren.

Ekelhafte Heuchelei des Deutschen Kinderschutzbundes

Die Heuchelei nimmt kein Ende mehr. Immer mehr Menschen schmeissen sich in den wütenden Mob und wollen Edathy lynchen. Vergessen dabei eigene Fehler und Verfehlungen und selbst der Deutsche Kinderschutzbund verweigert die Zahlung Edathys. Vielleicht sollte sich dahingehend der Kinderschutzbund einmal mehr fragen, wieso der Deutsche Tierschutzbund mehr Mitglieder hat. Ich weiß es mittlerweile: engstirnige und hirnlose Verantwortliche an der Spitze dieses Vereins. Wie ein schreiendes Kind im Supermarkt wirft sich der Deutsche Kinderschutzbund auf den Boden und schreit um sich. Jämmerlich. Ich dachte es geht um die Kinder und da Geld an allen Ecken und Enden fehlt, sollte so eine Summe nicht ausgeschlagen werden. Aber wer will schon die Kinder schützen, wenn man den Täter bloßstellen kann. Einmal mehr macht der Kinderschutzbund das falsch, was er vielerorts kritisiert: es wird nicht über die Opfer berichtet (dann hätten sie das Geld nehmen müssen), sondern eher über den Täter geschimpft (Geld ausgeschlagen - wie geschehen).

Sebastian Edathy ist ein Täter und ein Opfer zugleich. In meinen Augen verliert kein Mensch seine Würde, sei die Tat auch noch so grausam und widerlich. Sebastian Edathy ist bereits zerstört. Er hat keinen Job mehr, seine Familie und Freunde haben sich verabschiedet, seine Beliebtheit gleicht der von Wladimir Putin und sein öffentliches Ansehen ist bis auf Jahre hinaus beschädigt. Sebastian Edathy darf dennoch eines behalten - seine Würde. Zumindest das, was davon noch übrig blieb.

 

Florian Pasterny

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Sonntag, 08 März 2015 10:43)

    Ok, ich gehe nicht mit allen Dingen d'accord die hier niedergeschrieben wurden. Aber eines gefällt mir auch an all dem nicht: Edathy wird fertig gemacht und niemand weiß so richtig warum. Wir kennen die Bilder nicht, das Verfahren kennen wir ebenfalls nicht, wir wissen nicht wer lügt, ob Ziercke, Oppermann, Hartmann, Steinmeier oder Edathy. Wir wissen nichts und dennoch wird Edathy gesteinigt. Danke für den Artikel und die kleine Reinigung im Wirrwarr der Geschehnisse.

  • #2

    Sabine (Sonntag, 08 März 2015 13:49)

    Sind Sie nun für oder gegen Edathy? Das wird so nicht ganz deutlich. Jedenfalls ein Opfer ist der nicht.

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