ZDF - Ein Sender blamiert sich bis auf die Knochen!

von HOLGER DOETSCH


Der GEZ-Zwangsblecher hat sich ja irgendwie inzwischen daran gewöhnt: Gerade im Sommer wimmelt es im Programm von Wiederholungen, manche Serien werden so oft ausgestrahlt, dass entsprechend ambitionierte Zuschauer mitspielen könnten. Gerade die Vorabendsendungen nähern sich immer mehr "Uschi" an, dem UnterSCHIchten-TV RTL und RTL II also, immer und immer und immer wieder werden wir mit gähnend langweiligen Kontrollen von Fahrradfahrern durch die Polizei belästigt, wahlweise auch durch Kochshows und Berichten über Gerümpelverkäufe. Das aber, was sich das ZDF jetzt geleistet hat, schlägt dem Fass den Boden aus, und der Autor dieses Beitrags darf das aus zweierlei Gründen heraus monieren: Er ist seit zwanzig Jahren Journalismusdozent und leitet ein Kinderhilfswerk im Königreich Kambodscha.

Womit wir beim Thema wären. In gleich zwei Staffeln zeigte das ZDF in seiner Reihe "hallo deutschland" einen Beitrag über ein älteres Ehepaar aus Deutschland, dessen Rente so niedrig ist, dass sie ins für unsere Verhältnisse äußerst preiswerte Kambodscha auswandern. Geschlagene zehn (!) Tage mutete uns das ZDF Anne und Peter Kirchhoff zu, bei denen sich am laufenden Bande der Eindruck verfestigte, dass die beiden nicht mehr alle Kuchenformen im Schrank haben. Darum geht es nämlich insbesondere in dieser "Reportage", um Kuchen, Kuchen, Kuchen, doch dazu später mehr.


Der 71-jährige Peter bekommt 1.100 Euro Rente, sie ist arbeitslos. Frage des "Reporters", was da in deren Leben schief gegangen sein könnte: Fehlanzeige! In einer ersten Einstellung wird dann klar: Sie kann überhaupt kein Englisch, er nur rudimentär. Kritischer Hinweis des Reporters, dass das für Auswanderer ein klares "No-Go!" ist, weil es unweigerlich zum Scheitern der Pläne führen muss: Fehlanzeige! Dann latschen die beiden durch Wohnungen, die für kambodschanische Verhältnisse ein Luxus sind, doch mal sind sie zu klein, mal ist der Mietpreis von 250 US-Dollar - man fasst es nicht - zu hoch. Das Schlimmste bei alledem ist: Unweigerlich sinniert man darüber, was der ZDF-"Reporter" eigentlich beruflich macht. Man hört seine bescheuerte Fragen aus dem Off, etwa die, wie sich die beiden fühlten, als sie auf einem Elefanten saßen. Bezeichnende Antwort des Peter Kirchhoff: "Man kann immer so schön auf die anderen herunterschauen." Scheint eine Freud´sche Fehlleistung gewesen zu sein, denn die Art und Weise, wie die beiden sich da durch Kambodscha wanzen, dieses geradezu dümmliche Am-deutschen-Wesen-soll-Kambodscha genesen!-Gehabe ist unterirdisch.


In Dauerschleife klagt Anne Kirchhoff über den Staub, über den Müll vor dem Markt, über die Milchpreise und darüber, dass die Stadt Siem Reap (alle Beteiligten inklusive Reporter schaffen es dabei, den Namen der Stadt über zehn Tage hinweg falsch auszusprechen) nicht am Meer liegt. Wenn sie nicht über Kambodscha meckern, dann meckern sie über Deutschland, und wenn sie mal gar nicht meckern, dann - man ahnt es schon - backt die Anne in der Küche des Luxushotels "Elephant" in Siem Reap Kuchen, und natürlich hat sie es dabei überhaupt nicht nötig, Schutzkleidung zu tragen, obwohl das auch in Kambodscha in Häusern mit höherem Niveau Pflicht ist. Ihr Mann Peter läuft derweil vor dem Hotel hin und her und koordiniert offensichtlich ungefragt Aufräumarbeiten. "Bevor ich hier war, lag hier überall Plastik rum", nölt er sinngemäß, was schon deshalb ganz erstaunlich ist, weil genau an dieser Stelle der Autor dieses Beitrags immer sein Fahrrad abstellt, und er dort nie Müll gesehen hat, weil das Personal dieses Hotels auch ohne solche Teutonen sehr gewissenhaft arbeitet.


Es folgen zehn Tage lang ständig unerträgliche Redundanzen, entweder fährt das Ehepaar Kirchhoff im Tuk-Tuk durch die Gegend, latscht unmotiviert durch die Tempelanlage Angkor Wat, hängt am Strand herum oder backt und motzt eben. Wenn eine Tür knarzt, ruft sie entsetzt aus: "Oh, ein Chaos!", und spätestens da überlegt man sich, warum niemand, insbesondere die ZDF-Leute, diese beiden im Rahmen dieses gebührenfinanzierten Schwachsinns nicht vor sich selbst schützen. Strand, Strand, Strand. Wir!, Wir!, Wir!. Kuchen, Kuchen, Kuchen. Klick, Klick, Klick... Wer hat diesen Beitrag eigentlich abgenommen? Wer hat die gemachten Aussagen darin überprüft? Schließlich sollte es sich ja um eine Reportage handeln, eine journalistische Darstellungsform also, die auf Tatsachen begründet sein soll. Doch der sogenannte Reporter tönt wider besseres Wissen, "Kino, Theater und Museen gibt es in Kambodscha nicht!", und die Obermotzki Anne Kirchhoff jammert, dass es keine Glaskannen in Kambodscha geben würde (die einfallsreichen ZDF-"Reporter" haben die Glaskannenstory allen Ernstes jamesbondmäßig in ein Kapitel "Mission Milchkanne" gepackt...).


Vollkommen sinnfrei ist das alles, auch die vom "Reporter" getätigte Aussage, die Monatslöhne in Kambodscha betrügen durchschnittlich 100 US-Dollar (nur wenige verdienen in diesem Land so viel!). Dieser Zehntagelangeweiler in "hallo deutschland" scheint zu beweisen, dass das ZDF gewillt ist, seinen "Bildungsauftrag" endgültig und darüberhinaus in einem zunehmenden Tempo in die Tonne zu treten, und in diesem Zusammenhang lohnt sich durchaus ein Blick auf das - sofern überhaupt vorhanden - Drehbuch dieser "Reportage". Während nämlich das Ehepaar Kirchhoff einmal mehr darüber sinniert, wie toll Siem Reap wäre, wenn "das Meer um die Ecke liegen würde", kommt der ZDF-"Reporter" offenbar nicht einmal ansatzweise auf die Idee, mit den beiden drei Kilometer aus Siem Reap heraus zu fahren. Dorthin nämlich, wo es keinen Kuchen gibt und wo stattdessen bittere Armut herrscht, wo also das wahre Kambodscha zu finden ist. Wie auch, wenn die Meckerei und Backerei und Fotografiererei und Besserwisserei dieses Paares alle Beteiligten ständig im Atem hält?


Man erfährt in diesem Beitrag nichts, aber auch gar nichts über Kambodscha, und das, was man erfährt, ist entbehrlicher, da belangloser Quatsch. Oder aber es ist schlichtweg falsch. Schlussfolgerung: Kambodscha braucht Leute wie das Ehepaar Kirchhoff ebensowenig wie der deutsche GEZ-Zahler solche peinlichen ZDF-Ergüsse. Buddha sei dank haben die beiden das Land übrigens inzwischen wieder verlassen. Die Kirchhoffs backen und zicken nun in Berlin-Buch.


Holger Doetsch

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    James Bond (Donnerstag, 04 September 2014 17:07)

    Danke für diese wertvollen Worte.
    Wie gut, dass es noch einige wenige Aufrichtige gibt, die die Fahne des echten, investigativen, harten Journalismus hochhalten.
    Aber eines frage ich mich doch: Warum schalten sie nicht einfach ab, wenn es so schlimm ist ?
    Gruß
    James Bond

  • #2

    Ramses (Donnerstag, 04 September 2014 19:09)

    Auch wir bedanken uns für diesen unterirdisch, geistreichen und hinreichend genervten Bericht eines wohl hochintelligenten Journalisten, des wohl noch intelligenteren Magazins "ohne Zensur".
    Ein Hoch auf solche, für uns denkende, Journalisten. Ohne sie wüssten wir gar nicht mehr, was wir im Fernsehen zu sehen bekommen.
    Jung-dynamisch-erfolgl......?
    Zwanzig Jahre Berufserfahrung aber leider nichts dazu gelernt.
    Okay......., na dann auf eine baldige neue geistreiche Kritik.
    Gruß
    Ramses

  • #3

    Cäsar (Freitag, 05 September 2014 16:53)

    Ich möchte dem Verfasser mit seine eigenen Worten zitieren:
    " ...und das was man erfährt ist belangloser Quatsch, oder aber es ist schlichtweg falsch..!!!
    Danke für soviel Blödsinn!

Die aberwitzige Denkweise der Deutschen

Die Deutschen sind stolz auf ihren Umgang mit dem Holocaust, dem Dritten Reich und Israel. Konterkariert doch einzig die Verwendung von großen und stolzen Mahnmalen das Vergessen der Geschichte. Unsere Mahnmale sind nichts weiter als institutionelle Heucheleien der Ewiggestrigen. Auschwitz verkommt zur Vergnügunsplattform frühreifer Studenten und Schüler, die Mahnmale in Berlin für Juden, Homesexuelle und Sinti und Roma sind nichts weiter als protzende Scheinheiligkeiten und Gleisnereien. Mehr

"Kindersex ist Menschenrecht"

Volker Beck sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag. In den 70er und 80er Jahren hat sich Volker Beck als Freund der Pädophilen hervorgetan und genießt die Rolle sehr. Im Leopardi Buch ließ er einen Artikel veröffentlichen, der damals wie heute Fragen aufwirft und für Diskussionen sorgt. Mehr

Pasternys Plausch -

Der Radiotalk

Twitter

Empfehlen Sie uns weiter