Outing: "Ich bin eine Hete"

von FLORIAN PASTERNY

 

Ja, ich habe Sex mit Frauen. Ich gebe es zu. Auch wenn es einige Menschen nun überraschen wird und meine Familie, wie Freunde unvermittelt und ohne Vorwarnung trifft: Ich bin eine Hete, und das ist auch gut so. Die Zeit meines Coming-Out ist gekommen und es fiel mir nicht leicht. Die eigene sexuelle Identität zu finden, dies ist schon schwierig genug, sie dann der ganzen Welt zu zeigen umso schwerer. Ich hoffe, damit verdiene ich den gleichen Respekt wie Hitzlsperger, denn vermeintliche Super-Homos wie Volker Beck, Klaus Wowereit und Guido Westerwelle äußerten natürlich ihre Hochachtung und sogar die Bundesmutti lies ihren Regierungssprecher sexuelle Verehrung und Achtung gegenüber des Outings aussprechen. Und dabei ist die sexuelle Identität eine intime Angelegenheit, die nur den jeweiligen Menschen etwas angeht. Niemand hat das Recht über meine Vorlieben zu wissen, zu richten oder zu werten. Doch Hitzlspergers Outing hat eine Welle der Homo-Empathie unter deutschen Promis losgetreten und am Kneipenstammtisch ist er nur die schwule Sau.

Nein, ich bin nicht heterosexuell. Ich bin auch nicht bi-sexuell und schwul bin ich auch nicht. Und doch habe ich Beziehungen und Sex. Wie das geht? Ich bin einfach Mensch. Ohne Schubladen und das Einordnen in Kategorien. Wer will uns denn einteilen? In Hetero=gut und Schwul=böse? Die Kirche? Die Politik? Wir uns leider zu oft selbst. Die Menschen sollen so leben wie sie wollen. Sie dürfen im Bett pervers sein. Lasst Männer Männer lieben. Lasst Opas mit 20-jährigen Frauen ins Bett gehen. Lasst die Paare dieser Welt perverse Spiele spielen, sich auspeitschen, sich anpinkeln und zukacken. Lasst das alles mit Toleranz zu, solange keinem Mensch geschadet wird, alles auf freiwilliger Basis geschieht und alle erwachsenen Spielpartner wissen was sie tun. Lasst sie experimentieren, mit dem eigenen Körper und dem der anderen. Dies ist eine bunte Welt und so soll sie auch gelebt werden. Bunt, verrückt und durcheinander. Dafür braucht es keine Outings und keinen Respekt der oberen 10.000. Dafür braucht es Toleranz.

 

Und Outing. Outing. Outing - welch ein dummes Wort. Es hat so etwas von gestehen. Und was muss man gestehen? Fehler. Ist schwul sein ein Fehler oder wieso müssen schwule Menschen sich anhand eines Outings rechtfertigen? Ich renne doch auch nicht nackt durch die Straße und brülle: "Seht her, ich bin heterosexuell". Natürlich reden wir im Haifischbecken der Bundesliga von einer besonderen Situation und wie man dieses Eis brechen kann, dass weiß ich nicht. Ich weiß nur eins: wenn wir weiter so tun, als wäre jedes prominente Outing eine staatstragende Angelegenheit und wenn wir weiter jede Promi-Schwuchtel heroisieren, werden es andere Menschen mit dem heraustragen ihrer sexuellen Identität immer schwerer haben.

 

Nun schlage ich heute die Zeitung auf und das Brötchen blieb mir beinahe im Hals stecken. Die AfD verlangt von Hitzlsperger ein Bekenntnis zur Ehe und zur Familie. Wir seien ja schließlich ein christliches Abendland. Gerade die Kirche hat einmal mehr Probleme mit der Versexualisierung dieser Gesellschaft. Wo doch gerade in den Klöstern und auf Priesterseminaren schwuler Spaß zum Alltag gehört. Daniel Bühling wollte katholischer Priester werden. Das Priesterseminar schreckte ihn allerdings dermaßen ab, dass er ein Buch schrieb. In seinem Buch offenbart er, was hinter den Türen der Priesterseminare vor sich geht. Er schildert Frauenfeindlichkeit, schwule Sexorgien und neu ankommende Seminaristen, die von den Älteren als Frischfleisch oder Bückstücke bezeichnet werden. Darum verließ er die Kirche, obwohl er selbst schwul sei. Wissenschaftler gehen davon aus, dass 40-50 % aller Priester schwul sind. 

 

Schwule oder lesbische Menschen gibt es überall. In ihrem und meinem Lieblingsverein, in ihrer und meiner Firma, in unseren DAX-Vorständen, in den Schulen unserer Kinder, in den Büros unserer Regierung, in der Bundeswehr, der Feuerwehr, der Polizei, in unseren Hausarztpraxen, in den Krankenhäusern, beim Bäcker und im Supermarkt an der Kasse. Es ist etwas normales und leider wird es oft genug versteckt. Man sollte es nicht verstecken, man sollte sich nicht elitär outen - man sollte einfach leben. Ob Schwul, bi, hetero - scheiss egal, hauptsache guten Sex haben.

 

Florian Pasterny

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Andreas (Sonntag, 12 Januar 2014 18:27)

    Mit fast allem Recht. Aber zum Leben (auch als Schwuler) gehört immanent ein Coming Out, weil das "Leben an sich" immer schon schon ein Coming Out ist. Der Ehering ist ein solches und das Erzählen über seinen Partner all das ist ein Coming Out. Mal mehr mal weniger schwer.
    Und es hat nichts von "gestehen" - es heißt rauskommen! Und wer will denn leben, ohne "raus zu kommen" aus sich, aus seinem Schneckenhaus aus seinem inneren Gefängnis. Und genau diesen Teil hast du bei deiner Sicht nicht berücksichtigt.

    Ach ja - guter Hinweis von Dir, dass das Intimleben nemandenetwas angeht. Aber es geht hier nicht ums Bett, sondern um eine Identität.

  • #2

    A (Sonntag, 12 Januar 2014 18:27)

    gefällt mir! Ich kann das Gelaber schon lange nicht mehr hören...

  • #3

    Sabine Wolf (Sonntag, 12 Januar 2014 18:28)

    Richtig und wichtig.

  • #4

    Tobili (Sonntag, 12 Januar 2014 18:30)

    ich muss da immer an wowereit denken :ich bin schwul und das ist gut sein. Nein Herr wowereit es ist nicht gut, es ist auch nicht schlecht .es ist
    einfach so, ,und das sie am Berliner Flughafen Chaos mitverantwortlich sind liegt an ihrer persönlichen Unfähigkeit und hat auch nix mit ihrer sexuellen Orientierung zu tun.
    und was hitzelsperger angeht
    denke es ging ihm eben darum zu sagen hey es gibt auch schwule Fußballer akzeptiert es.

  • #5

    v (Sonntag, 12 Januar 2014 21:20)

    hach ja – dachte, dass heutzutage eh "alles" als normal gilt und dass das Ganze nicht mehr zu ernst genommen wird .. da täusch ich mich wohl wieder mal :)

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Sie ist das älteste Gewerbe der Welt. Sie ist eine Fleischbeschau. Sie verhindert womöglich Vergewaltigungen. Sie sorgt für Vergewaltigungen und Gewalt. Sie zerstört Leben. Sie bereichert Leben für wenige Minuten. Sie tötet. Sie vergisst nie: Die Straßenprostitution. Die Straßenprostitution in Nordrhein-Westfahlen ist breit gefächert. Es gibt die Drogenstrichs, die Kindermeilen, das Hausfrauenviertel und die Zwangsprostituierten. Freier machen sich wenig Gedanken über die Motivation der Huren. Für sie zählt einzig der Dienstleistungsgedanke. Gute "Ware" gegen gutes aber doch bitte geringes Entgelt. Mehr

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