Ein Leben durch die Kamera - Wenn Momente verblassen

von FLORIAN PASTERNY

 

Wenn wir die wichtigen und schönen Momante nur noch über einen kleinen Bildschirm wahrnehmen, wenn wir gar nicht wirklich anwesend sind, weil das Bild nicht verwackeln darf und wenn wir Videos auf dem Handy mehr schätzen als das Momentum, dann sind wir in der Wirklichkeit angelangt. Willkommen, du rosige Technikzeit, du mit deinen vielen Vorteilen und nicht ebensowenigen Nachteilen. Du, die uns die Zeit raubt, die Momente stiehlt und die Erfahrung abnimmt. Es könnte alles so viel schöner sein  - ohne Handykamera.

Der US-Band 'Yeah Yeah Yeahs' reichte es kürzlich: "Bitte schaut Euch die Show nicht am Bildschirm Eures Handys oder Eurer Kamera an", schrieben die Indie-Rocker auf Schilder, die sie an den Eingang ihrer Konzerte hängten. Wieso haben wir verlernt, den Moment zu genießen? Psychologie-Professor Alfred Gebert aus Münster sieht die Geltungssucht als Ursache "Alle sollen wissen, wie toll wir sind. Wir leben in einer Zeit, in der jeder sein Leben veröffentlichen und zeigen will." Wir können in bestimmte Situationen nicht mehr eintauchen, sie nicht mehr genießen, wenn sie live geschehen. Lieber sieht man sich das Aufgenomme zu Hause an und ist stolz darauf, dabei gewesen zu sein, ohne wirklich dabei gewesen zu sein.

 

Zudem gibt ein selbst erstelltes Video einem natürlich das Gefühl von Individualität. "Man kann sagen: Das ist meins, das habe ich gemacht", sagt Gebert. "Wir kommen uns dabei fast vor wie ein Regisseur oder ein Künstler. Wir können etwas." Und was wir können? Momente verpassen, Moment verblassen und das alles für ein paar Minuten Aufnahme, die wir im Real-Life dadurch verpassen. "Wir wissen zwar, wir werden kein Popstar, aber einen kleinen Kratzer auf der Erdspur hinterlassen möchte jeder."  Die britische Punk-Band Savages bittet ihre Fans, die Handys beim Konzert nicht zu benutzen: "Wir glauben, dass das Filmen und Fotografieren während des Auftritts uns alle davon abhält, vollständig einzutauchen", sagen die Künstler.

 

Wir alle erleben wunderschöne Moment im Leben, die so nie wieder kommen werden. Diese sollten wir uns nicht mit Handys und Kameras zerstören. Denn früher brauchten die Menschen auch nur eine Gabe um glücklich zurückzublicken: das Erinnern. Das Erinnern half dabei, die Momente des Glücks festzuhalten. Es sorgte dafür, dass man bewusst das Momentum erlebte und genießen konnte. Die Erinnerungen daran verblassen vielleicht ein wenig mit der Zeit, aber sie machen einen noch immer unsterblich im Bezug auf Erleben, Genießen und nie wieder Vergessen. Bilder und Videos verblassen natürlich nicht. Aber unsere Erinnerung an diese Momente kann kaum verblassen, denn sie war nie da. Wir haben die schönen Seiten des Lebens, die tollen Konzerte, die schönen Auftritte von Straßenkünstlern, die lustigen Momente vom Familientag und vielen anderen Begebenheiten zwar aufgenommen aber nie bewusst gelebt. Wollen wir wirklich etwas für die Ewigkeit, dann lassen wir das Handy einfach mal stecken und vertrauen auf den Moment, auf die Wirklichkeit und auf unsere Erinnerungen.

 

Florian Pasterny

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Heike (Freitag, 18 Oktober 2013 21:52)

    Es ist auf der einen Seite gut das die Technik etc. immer weiter vorran schreitet. Allerdings wie von dir beschrieben ist es zuviel geworden man sollte wieder mehr fühlen und mit seinem Körper erleben und sich die Dinge nicht NUR stumpf auf einem Bild/ Film anschauen. Ich finde dieses Gefühl von errinnern wenn man seine Augen schließt und an einen besonderen Augenblick denkt viel beglückender als bei einem Bild!

  • #2

    W. Pabst (Freitag, 18 Oktober 2013 22:12)

    Manchmal, ganz manchmal aber gibt es auch Momente, die gerade das zufällig entstandene Bild zur Ewigkeit macht..

"Ich blute aus allen Löchern"

Sie ist das älteste Gewerbe der Welt. Sie ist eine Fleischbeschau. Sie verhindert womöglich Vergewaltigungen. Sie sorgt für Vergewaltigungen und Gewalt. Sie zerstört Leben. Sie bereichert Leben für wenige Minuten. Sie tötet. Sie vergisst nie: Die Straßenprostitution. Die Straßenprostitution in Nordrhein-Westfahlen ist breit gefächert. Es gibt die Drogenstrichs, die Kindermeilen, das Hausfrauenviertel und die Zwangsprostituierten. Freier machen sich wenig Gedanken über die Motivation der Huren. Für sie zählt einzig der Dienstleistungsgedanke. Gute "Ware" gegen gutes aber doch bitte geringes Entgelt. Mehr

Die aberwitzige Denkweise der Deutschen

Die Deutschen sind stolz auf ihren Umgang mit dem Holocaust, dem Dritten Reich und Israel. Konterkariert doch einzig die Verwendung von großen und stolzen Mahnmalen das Vergessen der Geschichte. Unsere Mahnmale sind nichts weiter als institutionelle Heucheleien der Ewiggestrigen. Auschwitz verkommt zur Vergnügunsplattform frühreifer Studenten und Schüler, die Mahnmale in Berlin für Juden, Homesexuelle und Sinti und Roma sind nichts weiter als protzende Scheinheiligkeiten und Gleisnereien. Mehr

Pasternys Plausch -

Der Radiotalk

Twitter

Empfehlen Sie uns weiter