Shitstorm im Internet - Anonymität konterkariert die Erziehung

von FLORIAN PASTERNY

 

Isabell L. war sich sehr sicher. Sie antwortete als Publikumsjoker im RTL-Quiz 'Wer wird Millionär' falsch und der Kandidat verlor daraufhin eben verdiente 124.500 EUR. Tragische Geschichte aber was danach folgte, gleicht einer Hexenjagd. Seitdem wird diese Frau, deren Namen im Internet bekannt ist, von einem Shitstorm gejagt. Zu Deutsch: Scheißesturm. Meist anonyme User nutzen die Freiheiten des Internets um über diese Studentin hereinzubrechen. Und zwar mit aller Gewalt. "Versink im Boden, du Schlampe", pöbelte es über Twitter. "Die brauch sich nicht mehr aus dem Haus trauen", tickerte es bei Facebook und "sie soll dem Kandidaten für 124.500 EUR ranlassen, die Hure", sprach es in diversen Foren.

Shitstorms sind mittlerweile ein verbreitetes Phänomen im Intenet. Suggeriert die angebliche Gesetzeslosigkeit im Netz doch Freiheit und Anonymität. Der wohl erste größere Shitstorm ist im Jahre 2005 entstanden. Jeff Jarvis löste ihn gegenüber Dell aus. Er postete seinen Frust über den Kundenservice und die Produkte des Computerherstellers - andere Nutzer schlossen sich plötzlich an. Über die „Dell Hell“ (Dell-Hölle) berichteten auch zahlreiche Medien. Den jüngsten großen Unternehmensprotest musste McDonalds aushalten. Als der Fastfood-Riese im August 2012 den Preis für einen Cheeseburger von einem Euro auf 1,39 Euro erhöhte, machte ein User seiner Wut bei Facebook Luft. Normalerweise nichts Ungewöhnliches, ungewöhnlich war nur die Reaktion: Innerhalb von 48 Stunden klickten 81.000 auf „Gefällt mir“, 6800 User hatten den Beitrag kommentiert. McDonald's reagierte einen Tag später und verkündete, dass die Cheeseburger weiterhin „in nahezu allen Restaurants“ einen Euro kosten würden.

Unternehmen ja - Personen nein

Womit aber große Unternehmen wie Dell, o2, Telekom, Deutsche Bahn oder McDonalds umgehen können, reißen Shitstorms einzelne Personen oder Personengruppen in ein tiefes Loch. Auch Isabell L. weiß derzeit nicht wo ihr der Kopf steht und tauchte erstmal komplett ab. Aus Scham? Vielleicht. Aus Angst? Ganz bestimmt. Denn wie schnell kann aus einer Bedrohung im Internet eine reale Bedrohung werden? Und wie gehen die Personen mit diesem Ereignis um?

Eine Krankenschwester in einem Londoner Krankenhaus beging Selbstmord, nachdem sie im Internet einen massiven Shitstorm erleben musste. Sie fiel auf einen Radiosender herein und gab Angaben zum Gesundheitszustand von Herzogin Kate. Dem darauffolgenden Spott und die Demütigung seitens anonymisierter Einträge auf Facebook und Twitter hielt sie nicht stand und hinterlässt 2 Kinder und ihren Mann.

Auch, oder besonders, im kleinen Rahmen gefährlich

Der Shitstorm, oder auch Cybermobbing, sind in ihrer Dimension für einzelene Personen sehr gefährlich. Unangenehm wird es alledings auch für die kleinen fiesen Attacken des Internets. So fühlen sich besonders junge Menschen im Internet besonders stark. Wenn dann noch ein paar andere mitmachen, wird es für die Opfer gänzlich unerträglich. Das Bloßstellen und Schikanieren ihrer Opfer über Facebook, Foren und Twitter reißt den Opfern den Boden unter den Füßen weg. Eltern müssen dann dringend reagieren, denn nicht selten endet Cybermobbing in einer Depression, in Angstzuständen oder gar im Selbstmord. 

 

Durch die Anonymisierung im Internet wird die gute Erziehung mancher Menschen ad absurdum geführt und trägt dazu bei, dass Menschen sich wie Tiere benehmen. Sie nehmen keine Rücksicht auf ihr Gegenüber und vernunftgesteuerte Köpfe ergeben sich in ihrem Trieb gegen alles und jeden zu wettern. Jeder Mobber sollte sich einmal bewusst werden, welchen Schaden er anrichten kann - denn er selbst könnte mal Opfer eines Shitstorms werden und wer zu Beginn mit Scheiße spielt, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn die Finger stinken.


Florian Pasterny

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniel (Samstag, 11 Mai 2013 10:28)

    Sehr wichtiger Beitrag.

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