Warum das Spiel des Seins unser aller Freude sein soll

von FLORIAN PASTERNY

 

"Wer nicht lächelt ist angreifbar, wer seine Freude nicht zeigt ist schwach und wer sein Glück nicht genießt ist töricht" - dieser Satz schwebt seit heute Nacht in meinem Kopf. Irgendwer hat mir diese Zeilen gesagt. Ich weiß nicht was und ich weiß nicht wer - ich weiß nur, dass dieser Satz plötzlich da war. Ich habe dann sehr lange über diesen Satz nachgedacht und festgestellt, dass der größte rettende Anker die Freude ist. Es ist nicht wichtig was andere machen, welche Fehler sie begehen und wie wir sie dafür verurteilen. Es ist nur wichtig was wir im Herzen denken und fühlen.

Ich bin Journalist. Ich lebe davon, dass ich neugierig bin, dass ich mich aufregen kann und dass ich erregte Diskussionen lostrete. Viel zu oft rege ich mich über die Jutta Ditfurths, Sascha Lobos, Fabian Preslers und Alexander Dobrindts dieser Republik auf und verkenne die eigentliche Situation. Beruflich gesehen muss und werde ich weiterhin kritisch über Missstände, Skandale und Fehltritte berichten - privat bleibt das außen vor. Wenn ich eines in den letzten Stunden, Tagen und Wochen gelernt habe, dann ist es: eine Art Gelassenheit und Freude an den Tag legen zu müssen. Natürlich ist dies kein On-Off Schalter den ich einfach umlegen kann, es ist folglich ein Prozess, den es gilt zu meistern.

 

Nicht nur ich, sondern viele Menschen, lassen sich von unwichtigen Dingen leiten, ablenken und runterziehen. Seien es nun Handlungen, Taten oder Aussagen von anderen Menschen, Fehler anderer, eigene negative Gefühle wie Eifersucht, Angst und Wut. Und mir ist klar geworden, dass das Spiel des Seins meine Freude sein sollte und keine Hau-Drauf-Taktik meinerseits. Beruflich gesehen: Sachlichkeit statt Provokation. Fundierte Kritik statt Sarkasmus und Populismus. Privat: Nichts anzunehmen was einen nicht betrifft, Freude spüren und weitergeben und irrationale negative Gefühle ausschließen. Oder auf deutsch: Einfach genießen.


Mir ist es ab sofort gleichgültig wer welcher Religion folgt (war es mir ohnehin schon immer), mir ist es egal ob jemand an Engel glaubt oder nicht, es ist mir egal welche Fehler jemand begeht, solange er sie bereut und um Verzeihung bittet. Mir ist es egal wie andere ihr Geld verdienen, wie sie öffentlich leben und was sie öffentlich sagen. Mir ist nun nur noch die Freude wichtig. Ich möchte mich nicht mehr über Aussagen, Taten und Handlungen anderer ärgern und aufregen, solange sie nicht direkt mein Leben oder das Leben meiner Liebsten betreffen.

 

Ich glaube an Gott(!?!) Nicht an den Gott, den man gemeinhin als Gott der Christen, Juden oder Moslems bezeichnet. Ich glaube an das Schicksal, an Bestimmung, an Vorhersehung, an das Meditieren, an Engel, an Liebe und an die Menschen. Vielleicht ist auch Glauben das falsche Wort. Vielleicht ahne ich es zu glauben und nun wird es mir deutlich.

 

Man will so oft im Leben perfekt sein. Ihr wollt das und ich auch. Perfekt im Job, der pefekte Partner für den anderen sein, perfekte Freunde und vielleicht auch perfekte Eltern. Doch perfekt sein zu wollen ist genauso unsinnig wie Wasser ins Meer tragen. Dabei muss niemand perfekt sein. Es reicht Aufrichtigkeit und Liebe. Dann sind Fehler verzeihbar. Denn wer aufrichtig seine Fehler einsieht, um Verzeihung bittet und sie irgendwann abstellen kann, dem wird durch die Liebe verziehen. Hey, wir müssen alle nicht perfekt sein. Ganz und gar nicht. Das ist doch ein großer Quatsch. Die Beziehungen und die Liebe zum eigenen Partner, zu den Eltern, Freunden und Kindern müssen nicht perfekt sein, sie müssen echt sein.

 

Dieser Satz heute Nacht und meine folgenden Gedanken werden mein Leben nicht grundlegend ändern. Aber sie werden es erleichtern, es bunter machen und glücklicher. Davon bin ich überzeugt.


Florian Pasterny

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Kommentare: 7
  • #1

    Sebastian Tesche (Montag, 18 Februar 2013 12:17)

    Ich bin begeistert, gleichwohl ich mich frage was da in dieser Nacht passiert ist. Leider geht der Autor da nicht näher drauf ein. Ich finde das Fazit hätte passender nicht ausfallen können und ich freue mich, dass jemand den Weg einschlägt.

  • #2

    Tante Klatschi (Montag, 18 Februar 2013 12:18)

    Ungewohnte Worte. Gelungen.

  • #3

    Schrunz (Montag, 18 Februar 2013 12:26)

    Ich lese schon seit 2 Jahren fleißig jede Ausgeburt alle Gedanken der Autoren hier. Wenn dies nun aber eine spirituelle Spielwiese für verkappte Kirchenweisheiten wird, werde ich gehen. Dieser Artikel spiegelt viel wahres wider und zeigt uns offensichtliche Fehler in der Art miteinander umzugehen. Humaner werden, Freude mehr nutzen und negative Gedanken verwursten; das sind auch Ansätze von nichtreligiösen Organisationen. Dafür bedarf ich keine Engel und keinen Gott auch wenn Sie hier betonen dass sie nicht an DEN Gott glauben. Lassen Sie diesen doch guten Artikel eine Ausnahme sein und ich bleibe Ihnen allen erhalten.

  • #4

    Ute K (Montag, 18 Februar 2013 12:39)

    Also, lieber Florian, ich muss sagen, dass du mich hier beinahe vom Stuhl gefegt hast. Nicht wegen einer anstrengenden Lektüre oder harter Worte sondern wegen dieser fantastischen Einsicht in dein Ich und das Ich der anderen. Der Artikel vom Valentinstag war also kein Einzelfall. Positiv, sehr sehr positiv. Ich freue mich jetzt schon auf ein Haufen guter Dinge von dir. Danke.

  • #5

    Conny K. (Montag, 18 Februar 2013 13:02)

    Ich weiß, wer da zu dir gesprochen hat. Denn ich sagte dir, auch du wirst es erfahren.

    Alles Liebe :)

    Conny

  • #6

    .. (Montag, 18 Februar 2013 13:06)

    Sehr schöne Sicht in die Welt, wenn du diese nun tragen willst.

  • #7

    Egon (Montag, 18 Februar 2013 13:22)

    Ich bin beeindruckt ob der Reflektion des Autoren, hat er doch schon einigen Artikeln vorher bewiesen, dass er dazu in der Lage ist. Mir gefällt diese Schriftsatz sehr und ich glaube, dass sich auch viele wiedererkennen werden und ihre eigenen Schwächen sehen und spürbar aufdecken. Ich teile diesen Artikel unter meinen Freunden gerne weiter.

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