Der moralische Kompass - Über Ambivalenz, Ethik und Selbstverarsche

von FLORIAN PASTERNY

 

In unserem täglichen Miteinander geschehen die meisten Schandtaten nicht deswegen nicht, weil die Menschen so moralisch wären, sondern weil Ihnen das Risiko der Entdeckung, verbunden mit Strafe und gesellschaftlicher Ächtung in Abwägung mit dem Gewinn zu hoch ist. Der moralische Kompass ist nur ein Anhaltspunkt für ein ethisches und reines Leben. Ob man diesen dann auch so umsetzen kann, schlechte Gewissen konterkariert und zufriedener lebt, ist jedem selbst überlassen. Die allermeisten Menschen, jeglicher Kultur und Gesellschaft, sind auf genau demselben moralischem Level - von Geburt an. Erziehung, Erfahrung und Freude wie Schmerz prägt unseren Kompass Jahr für Jahr. Der Mensch ist fähig, sich zu verändern und jeder von uns besitzt die dafür nötige Reflektion.

Das Gewissen ist unser moralischer Kompass und dieser hat etwas ambivalentes. Zum einen besitzen wir Ängste, Hemmungen, natürliche Grenzen, Empahtie und Mitgefühl und zum anderen sind wir neugierig, gierig, mal böse und eiskalt. Man stelle sich vor, dass man nach seinem Tod neben seinem eigenen Körper stehen könnte, man auf sich selbst heruntersieht und sich ein paar Fragen stellt. "Bin ich stolz auf mein Leben?", "Haben ich im Leben das bekommen was ich verdiene?", "Hätte ich etwas besser machen können?", "Was würde ich anders machen?", "Wenn ich jetzt noch ein Jahr leben könnte, was würde ich tun?"

 

Elementare Fragen die wir uns vielleicht im Moment des Todes stellen werden. Und wir ertragen diese Fragen, respektive die Antworten doch viel leichter, wenn wir ein reines oder zumindest ein gereinigtes Gewissen in diesem Moment hätten. 

 

Das Erlangen charakterlicher Reife ist eines unserer grundlegendsten Verlangen, das ein großes Spektrum menschlicher Aktivitäten motiviert und bestimmt. Charakterliche Reife ist ein Ziel, dass sozusagen in unser Gewissen eingemeißelt ist. Und wir können diese Reife nur dich verantworliches Handeln und Reflektion erreichen. Tiere folgen ihren Instinkten. Aber wir sind frei in unseren Entscheidungen und frei in der Wahl unserer Handlungen.

 

Wir können im Leben unheimlich viel erreichen und alle Positionen und jeden Reichtum erlangen. Wir können unendliches Wissen anhäufen, Ehen schließen, Eltern werden und uns entwickeln. Aber das sind alles keine natürlichen Prozesse. Diese Privilegien sind strengen Richtlinien unterworfen. Ein Arzt muss Medizin studieren, für Wissen muss man lernen, für eine Ehe brauche ich einen Partner und für Reichtum muss ich viel arbeiten. Und so ist auch die charakterliche Reife nicht auf natürliche Weise zu erreichen. 

 

Die Wahrheit ist: um in den zentralen Privilegien des Lebens erfolgreich zu sein, müssen wir die Qualifikation erbringen, eine bestimmte Ebene von Verantwortlichkeit und Empathie zu erreichen – und damit einen gewißen Grad der charakterlichen Reife zu erlangen; eine Art Ausbildung für unseren moralischen Kompass.

 

Der moralische Kompass dient in vielen Religionen, Kulturen und Gesellschaften der ethischen Richtung und der Unterscheidung zwischen Gut und Böse, zwischen verkehrt und verantwortlich, zwischen destruktiven Verhalten und richtigem Handeln. Er ist ebenso dafür da, dass wir zum Wohle vieler und nicht nur zum Wohle unserer handeln. 'Liebe deinen Nächsten' oder um es auf eine einfachere Formel herunterzubrechen: 'Was du nicht willst das man dir tu', das füg' auch keinem andern zu'.

 

Florian Pasterny

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Kommentare: 2
  • #1

    Kleene (Donnerstag, 31 Januar 2013 12:49)

    Danke Flo! Jetzt hat man mal wieder einen Denk Anstoß bekommen und man weiss wo du gerade stehst! :-)

  • #2

    Andrea (Donnerstag, 14 Februar 2013 16:57)

    Wow. Super nachdenklich machender Artikel. ich lese ihn gerade zum dritten mal und bin immer noch hin und weg und entdecke mich selbst beim versteckten nachdenken darüber. klasse geschrieben.

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