Was ist denn da los? - Versteh' einer die Welt

von FLORIAN PASTERNY

 

Seit Freitag stehen wir alle einmal mehr vor der Frage: "Was ist denn da los?" Und wie immer werden wir weder Antworten noch Erklärungen erhalten. Die Welt wird so von uns nicht mehr verstanden werden. Die Menschen lernen zu hassen, sie lernen Vorurteile zu haben, sie verlernen angeborene Toleranz und Neugier anderen und neuen Dingen gegenüber. Wir zerstören unsere Umwelt, erleben eine Verrohung der Gesellschaft, lassen Schwache zurück und begehren kaum noch auf. Und ganz am Ende wundern wir uns über Amokläufe, Terror, Krieg, Erdbeben, Überschwemmungen und die nackte Angst vor dem unnatürlichen Tod durch Dritte.

Die Welt ist für uns nicht mehr zu verstehen. Die Menschen darauf sind es auch nicht. Man könnte verzweifeln. Jeden Tag. Am Freitag tötet ein junger Mann einfach mal eben 20 Kinder und 6 Erwachsene. Ist das noch durch irgendetwas zu erklären? Zu begreifen? Vor einigen Tagen wollten Islamisten eine Bombe im Bonner Hauptbahnhof zünden und beinahe täglich sterben Menschen bei Kriegen und Auseinandersetzungen in Israel, Syrien, Ägypten, Birma oder beim Genozid im Kongo oder in Darfur

 

Von der Welt vergessen - Schwarze ohne Lobby

 

Gerade was jeden Tag in Afrika passiert, sollte uns endlich mal die Augen öffnen. Doch diese Menschen auf diesem unglaublich schönen Kontinent haben keine Lobby. Sie haben keine internationalen Menschenrechte, weil sie schwarz und arm sind. Eine bittere und unerträgliche Erkenntnis. Man muss hin und wieder das Gefühl haben, dass sich die Menschen im Sudan oder im Kongo für ihre Existenz entschuldigen müssen. Es brodelt an der Oberfläche, doch niemand greift ein. Keine Vereinten Nationen, keine NATO. Seitdem der Sudan vor 50 Jahren seine Unabhängigkeit erreichte, wird die Region Darfur vernachlässigt.

 

Man braucht mehrere Tage, um von der Hauptstadt Khartum aus, nach Darfur zu fahren. Der Teil des Landes ist absolut unterentwickelt und eine Infrastruktur ist nicht vorhanden. Seit 1990 werden arabische Milizen von der sudanesischen Regierung mit Waffen und Geld unterstützt. Innerhalb von 20 Monaten wurden so mehr als 400 Dörfer niedergebrannt, tausende Männer getötet, Frauen vergewaltigt und Kinder geschändet oder zu Soldaten ausgebildet.

 

Es gibt viele Gründe an eine bessere Welt zu glauben

 

1000 Gründe und mehr gibt es, um an eine bessere Welt zu glauben. Doch oft fehlt uns die Dankbarkeit für die Sicht der Gründe. Ein Lächeln, die Liebe, Freundschaft, Vertrauen, Sinne, Sinnlichkeit, Leidenschaft - alles verdammt gute Gründe, um an eine bessere Welt zu glauben. Viele Menschen brauchen mehr Dankbarkeit und die Gabe, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Denn auf eigenen Beinen sieht die Welt gleich ganz anders aus.

 

Beim schreiben habe ich gerade das Gefühl, dass die Welt schon immer so war. Da wir nun einfach Dank der Narichtenlage und des Internets in der Lage sind, einfach viel breiter informiert zu sein, vertieft den vielleicht falschen Eindruck, dass früher alles besser war. Doch mitnichten war die Welt früher besser. Es war nur enger auf uns zugeschnitten. Schicksalsschläge bekamen wir nur im direkten Umfeld mit. Heute trauern wir in Deutschland sehr wohl mit den Opfern des 11. Septembers, mit den Flutopfern des Tsunamis und mit den Kindern, die beim Amoklauf feige hingerichtet worden sind.

 

Ich bin froh dabei zu sein

 

Wissen Sie, liebe Leser, auch wenn die Welt oft unfair, unerträglich, böse und abartig ist, bin ich froh dabei zu sein. Diese unbekannte Zukunft, diese facettenreiche Welt, diese Angst vor dem Tod, diese Lust auf Leben, diese Traurigkeit, diese Freude, dieses unbändige Gefühl wenn man verliebt ist, diese Momente, wo man merkt, dass man vertrauen kann - diese Punkte machen alle das Leben, die Welt aus: Wir sind froh dabei zu sein. Oh ja, das sind wir.

 

Aber diese Erkenntnis darf uns auf keinem Fall davon abhalten, dass wir täglich für unsere Überzeugungen, Freiheiten und gegen Ungerechtigkeit jedweder Art kämpfen müssen. Zeigen wir den Nazis die kalte Schulter, zeigen wir den Terroristen, dass wir keine Angst haben, dass wir den tollen Moslems in unserem Land nicht deswegen anfangen zu misstrauen, zeigen wir den Menschen in Armut, dass sie nicht alleine gelassen werden, zeigen wir unseren Kindern eine bessere Welt, zeigen wir uns einfach mehr Dankbarkeit und Leben. Lasst uns einfach leben.

 

Florian Pasterny

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Kommentare: 2
  • #1

    Birgit Hoelper (Montag, 17 Dezember 2012 16:42)

    Das hast du sehr gut geschrieben, Respekt !

  • #2

    Inge K (Montag, 17 Dezember 2012 16:44)

    Toller Artikel, der am meisten das bewirkt, dass man darüber nachdenkt. Vielleicht ein paar Themen zu viel aber im Kern so gestaltet, dass man selbst grübelt ob man Dankbar genug ist, oder wie im letzten Abschnitt angeschnitten, gut genug für Freiheit und gegen Ungerechtigkeit kämpft. Hut ab.

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