Wenn die Raketen Trauer tragen!

von ATTILA TERI

 

Seit Jahren denke darüber nach, was wohl aus Imad geworden ist! Lebt er überhaupt noch, wenn ja, wie oder ist er in dem Wahnsinn, in dem er aufwachsen darf, schon ums Leben gekommen? Wurde er durch eine Hamas-Kugel etwa umgebracht oder hat er sich vielleicht als jugendlicher Selbstmordattentäter inzwischen in die Luft gejagt? Ich weiß es nicht! Ich sehe immer noch nur sein schelmisches Lachen, seine unglaublich schöne, tiefschwarze Augen, mit denen er damals die Welt so unschuldig ansah, wie es eben nur Kinder tun können.

Es sind fast 10 Jahre seit unserer Begegnung vergangen. Es war im Dezember 2002, 9 Jahre her. Imad war damals 7. Sein Zuhause war ein kleines Dorf, direkt neben Chan Junis, mitten im Gazastreifen. Seine Geschichte gehört heute noch zu den ergreifendsten Erlebnissen meines langen Journalistenlebens. Imad litt an einem Herzfehler, ohne eine Operation hat er gar keine Überlebenschance. Dank der israelischen Hilfsorganisation, „Rettet ein Kinderherz“, das ohne Rücksicht auf Herkunft, Kindern mit reparablen Herzfehlern aus der ganzen Welt hilft und deren Patienten überwiegend aus den palästinensischen Gebieten kommen, wurde er in München von deutschen Ärzten gerettet. Die Frage ist nur, wofür?

Ich besuchte ihn ein halbes Jahr nach dem gelungenen Eingriff zuhause. Es war zu Zeiten des 2. Intifada, als Tag für Tag überall in Israel Bomben hochgingen und unzählige Menschen in den sinnlosen Tod gerissen haben. Gaza war noch von Israel besetzt, die Hamas war noch nicht an der Macht. Überall waren noch Militärbasen und jüdische Siedlungen, garniert von palästinensischen Städten und Dörfern. Der Hass und die Angst waren überall allgegenwertig, auch in seinem Dorf. Und doch gab es noch Hoffnung, dass es irgendwann aufwärts gehen könnte. Sein Vater, der bis zu Beginn der Intifada in Israel sein Geld verdiente als die Grenzen noch offen waren, wurde durch den Terror seiner palästinensischen Landsleute arbeitslos. Er wusste überhaupt nicht wie er seine Familie durchbringen sollte und träumte von einem bescheidenen, besseren Leben. Das höchste seiner Gefühle war sich vorzustellen, das Dach des kleinen, heruntergekommenen Hauses endlich wieder dicht zu machen. Aber wie, wenn es nirgendwo eine Arbeit gab? Und trotz des ganzen Elends, empfand er keinen Hass, sondern nur Dankbarkeit den Israelis, den Deutschen und vor allem Gott gegenüber dafür, dass sein Sohn gerettet wurde. Er, seine Familie und alle Palästinenser, die in Frieden leben möchten, haben es auch verdient, wie jede anständiger Mensch auf unserem Planeten. Als wir uns verabschiedet haben, war ich mir sicher, sein Wunsch könnte doch noch eines Tages erfüllt werden.

Als dann im Jahre 2005 Israel ohne Vorbedingung Gaza geräumt hatte und damit wieder den Palästinensern die Hand reichte, sah es für kurze Zeit tatsächlich danach aus, zumindest für bodenlose Optimisten und Träumer. Zwei Wochen vor dem Abzug war ich in der größten jüdischen Siedlung, Neve Dekalim. Ich hätte den palästinensischen Arbeitern glauben sollen, die mir damals prophezeit haben, dass aus den auch nach westlichen Maßstäben hervorragend ausgerüsteten Siedlungen, nichts übrig bleiben wird. Sie waren sich sicher, ihr Volk wird alles kaputt machen. Ich wollte es nicht glauben! Es war doch DIE Chance, nachdem die damalige israelische Führung sogar die Spaltung des Landes in Kauf nahm, nur um endlich Frieden zu schaffen. Nicht nur ich, alle wurden eines Besseren belehrt. Kaum waren die verhassten Juden weg, eroberte die Hamas in Gaza die Macht und erklärte Israel den Krieg, bis „das zionistische Gebilde vernichtet und alle Juden ins Meer geworfen wurden!“

Seit 2005 flogen nun über 10 000 Raketen aus Gaza nach Israel und ein weiterer Krieg ist kaum noch zu vermeiden. Niemand weiß, wie der ausgehen wird, auch wenn es anscheinend keinen Ausweg mehr gibt. Denn solange Terroristen ihr eigenes Volk in Geiselhaft nehmen und dessen Tötung für ihre kranke Ideologie in Kauf nehmen, kann es keine friedliche Lösung geben.

Und so trauere ich wieder um jedes tote Kind! Ob es auf israelischer oder auf palästinensischer Seite sein noch nicht gelebtes Leben verliert! Denn jedes Kind kommt unschuldig auf die Welt, bevor es von den ah so schlauen Erwachsenen indoktriniert wird, in welche Richtung auch immer.

Was wurde aus Imad, fragt sich der ungarische Wochenendhobbyjude nun erneut Tag für Tag! Warum haben ihn seine eigenen Leute verraten und verkauft?

 

Attila Teri

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Kommentare: 1
  • #1

    Schrunz (Montag, 19 November 2012 14:27)

    dezidiert und leider wahr. irgendwie mag die wahrheit in den tagen wie diesen keiner sehen

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