Absoluter Quatsch bei Absoluter Mehrheit

von FLORIAN PASTERNY

 

Junge Leute sollen und müssen sich wieder mehr für Politik interessieren. Aber auch bildungsferne Schichten, politikverdrossene Geister und enttäuschte Genossen brauchen einen neuen Zugang zur Politik. Stefan Raab hatte sich also viel vorgenommen und den Startschuss in diese Richtung gesetzt. Doch was uns Pro 7 da vorgesetzt hat war leider nichts. Absoluter Quatsch bei Absoluter Mehrheit - mehr nicht, aber auch nicht weniger. Es war unterhaltsam - irgendwie. Komisch und flott rutschte die Sendung durch die 70 Minuten Sendezeit.

FDP-Macho Kubicki konnte seine markigen Sprüche loswerden, die junge Unternehmerin war dem Charme schnell erlegen, CDU-Fuchs spannend wie ein Toastbrot zur Mittagszeit, die Linke konnte mit dem Linken durch populäre und nicht finanzierbare Sprüche punkten und Oppermann verhielt sich einmal mehr wie ein Robotor - also alles wie immer und doch anders. Niveauloser, hektischer und flacher als alle Beckmanns, Illners, Jauchs und Wills.

 

Warum man Limbourg als "Zahlenleser und Notar" eingestellt hat, erschließt sich einem nicht. Man hätte ihn eher als politischen Side-Kick eingeordnet oder zumindest als einen, der bei den ganzen Diskussionspausen zwischendurch, das Geschehen ein wenig einordnen kann. Blome oder auch Schumacher haben ja gezeigt wie lustig und interessant so etwas sein kann. Die politische Late-Night von Stuckrad-Barre setzte die Latte hoch. Limbourg kam nicht einmal bis zum Anlauf. Denn er hatte inhaltlich null Bezug zur Sendung und war stets nur der Pausenclown mit den Zahlen.

 

Die Sendung war nicht nur flach, sie war auch inhaltlich total daneben. Drei Themen wurden im Express-Verfahren abgefrüchstückt und der Zuschauer konnte den Positionen nicht mehr so recht folgen. Stafan Raab aber hatte sich wenigstens ein bisschen vorbereitet, wenn auch nicht so eingehend wie es oben erwähnte Polit-Kollegen regelmäßig schaffen. Eines hat die Raab'sche Event-Veranstaltung im Vergleich zur Beletage der konservativen Politikunterhaltung geschafft: Man weiß die Arbeit der Kollgen Plasberg, Jauch und Co. nun mehr zu schätzen.

 

Damit kommen wir dann auch zum Gschmäckle des Abends. Bundestagspräsident Lammert hat bereits kundgetan, dass er das Konzept daneben findet: "Wer Geld für Meinungen aussetzt, bestellt Meinungen für Geld." Und das ist treffender als jede Kritik im deutschen Blätterwald des heutigen Tages. 100.000 EUR gibt es für den Gewinner der Absoluten Mehrheit. 100.000 EUR auf die Kralle. Und außer Kubicki (Spenden) hatte sich vor der Sendung niemand dazu geäußert, was er mit dem Geld machen wolle. Aber noch mehr trug dazu bei, dass diese Sendung jede Art von Seriösität vermissen lies: man konnte ein Auto gewinnen, sollte ständig eine teure Nummer wählen und am Ende sollten die Gäste, laut Raab, noch um Stimmen betteln. Das ist keine Politik, das hat Game-Show Charakter und für solch einen Quatsch ist die Politik zu wichtig, zu ernst und sich zu schade. Für junge Menschen ohne Affinität zur Politik mag das vielleicht ein wenig interessant gewesen sein, doch für andere leider totaler Kindergeburtstag. Wer gute Polit-Unterhaltung im Talkformat sucht, der muss bei Stuckrad-Barre einschalten.

 

Ich bin auf die Gäste im Januar gespannt. Doch bei aller Euphorie über eine zweite Sendung, sollte man dann die Gäste nicht mit den Bewohnern des Dschungelcamps verwechseln. Geld brauchen sie anscheinend ja alle. Sascha Lobo oder Jutta Ditfurth im Raab'schen Unterhaltungsuniversum: das wäre mein persönlicher (Alb)Traum.

 

Florian Pasterny

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Kommentare: 2
  • #1

    Kleene (Montag, 12 November 2012 11:29)

    Tja, tja so ein misst fehlte ja noch! Und dann noch Gewinnspiele das ist doch alles reine Zeit verschwendung!

  • #2

    Markus Weitsch (Dienstag, 13 November 2012 19:59)

    Ich fand die Sendung eigentlich nicht so schlecht und hoffe aber das durch das abziehen eines Themas alles ein wenig besser wird. EInzig das gehetze hat mich ständig genervt. Aber so hart wie Pasterny würde ich nicht gehen.

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