Dirk Bach: Ein Toter wird benutzt und missbraucht - Wie es schwulen Aktionisten um David Berger gelingt, eine Hetzplattform erfolgreich zu bewerben

von HOLGER DOETSCH

 

Wenn einer stirbt, der prominent und sehr beliebt war, dann geschehen rituale Dinge. So war und ist es auch bei Dirk Bach, der ja unbestritten prominent und sehr beliebt war. Kaum melden die Agenturen einen natürlichen Tod, meldet sich die "Das-kann-doch-nicht-sein!"-Verschwörungsfraktion, die sich schlicht und ergreifend nicht vorstellen kann und vor allem nicht vorstellen will, dass einer, der prominent und sehr beliebt war, an einem schnöden Herzversagen sterben könnte. "Unmöglich!" skandieren die Verschwörungsonanierer, denn für sie sterben Menschen wie Dirk Bach oder wie weiland Elvis oder Prinzessin Diana immer Heldentode.

Sie werden zum Beispiel umgebracht von der Konkurrenz, von der Mafia, von Geheimdiensten oder am besten von allen Dreien. Auf Facebook werde dann Fan-Seiten eingerichtet, und die, die sich da rumtummeln, klagen aufdringlich und dabei immer tränenerstickt Respekt ein, hier eben für Dirk Bach, Respekt also für "unseren Dickie", was so richtig respektlos ist, einen Menschen auf seine Körperlichkeit zu reduzieren. Dass Betreiber und Fans dabei eben jenen Respekt all denen, die auch nur einen Hauch von Kritik formulieren, nicht nur nicht entgegenbringen, sondern sie gar beschimpfen und beleidigen, selbst die, die lediglich beim Glorifizieren von Dirk Bach zum Maßhalten aufrufen, gehört ebenso zu den Ritualen wie die Lächerlichkeit all der Leute, die ungefragt vermelden: "Dirk war mein Freund!", wobei diese Leute, wenn überhaupt, höchstens mal zufällig in derselben Kölschkneipe waren wie Dirk Bach. Sonja Zietlow war wohl tatsächlich eine Freundin von Dirk Bach, und so beeilte sie sich, öffentlich und sehr laut zu überlegen, ob sie denn überhaupt das "Dschungelcamp" ohne ihren Freund "Dickie" weiter moderieren kann. Ein Blick auf die Gagenzahlungen nach den letzten Shows wird ihren ach so schwierigen Entscheidungsprozess dann wohl arg erleichtert und verkürzt haben: Natürlich macht sie auch ohne Dirk Bach weiter, und es wird spannend sein, zu sehen, wie Frau Zietlow versuchen wird, in der nächsten Staffel einen Helmut Berger, einst Visconti-Muse, heute ein versoffenes Wrack, dazu zu bringen, wenigstens mal eine Minute das Maul zu halten im rituellen Gedenken an Dirk Bach, das kommen wird. Und danach heißt es dann: The Show must go on!

Eines aber ist neu im "Fall" Dirk Bach: Die schwule Community bläst zum Sturm gegen Bachs Beleidiger, dies in einer nie zuvor gesehenen Heftigkeit. Viele Schwule haben Dirk Bach quasi posthum zu ihrem Säulenheiligen erklärt, haben also schneidig ihr Rüstzeug angelegt und sich aufgemacht zu einem Kreuzzug gegen die Bach-Hetzer. Es geht den schwulen Kreuzrittern nicht so sehr um die, die auf Facebook oder Twitter blöde herumnörgeln an dem von ihnen vereinnahmten "Dickie". Nein, es geht ihnen insbesondere um "kreuz.net", eine Internetplattform, deren Hauptserver auf den Bahamas beheimatet ist, und die kaum ein Mensch bisher kannte. Oder aber sie mit der ihr gebührenden Nichtachtung strafte. Der Autor dieses Beitrages etwa schwört bei Gott, dass er sich niemals diese Seite angeschaut hat.
Das muss nun eigentlich auch keiner mehr, und hier genau liegt das Problem des schwulen Kreuzzuges gegen die Schwulenhasser-Seite "kreuz.net": In sämtlichen Medien, von RTL bis Deutschlandradio, von BILD bis FAZ standen im Zuge der Berichterstattung über den schwulen Kreuzzug die Inhalte von "kreuz.net" im Mittelpunkt. Jeder geistig unterversorgte Schwulenhasser weiß nun, dass es diese Seite gibt, er kann lesen, was da an unsäglichem Schwachsinn steht und wird sich daran weiden. Die Klickzahlen werden wohl in bisher ungeahnte Höhen geschnellt sein, und die unseligen Betreiber der Seite werden sich ins Fäustchen lachen über die unbezahlte Werbung, die die schwulen Kreuzritter für sie seit Wochen machen.

Die schwule Empörungsmaschinerie hat also dafür gesorgt, dass "kreuz.net" nun selbst im allerletzten bayerischen Hinterwäldlerkaff bekannt ist. Doch die schwule Empörungsmaschinerie dampft und brodelt wie verrückt weiter vor sich hin, sie ist laut, sehr laut sogar, was auch daran liegt, dass es einen mehr oder weniger prominenten Maschinenführer gibt, der die Seite nun noch bekannter macht: David Berger. Ein Mann, der sich von der Katholischen Kirche jahrelang seinen Kühlschrank füllen ließ, dann wegen diversen Regelverstössen auf die Straße gesetzt wurde und sich heute nicht nur nicht wehrt, sondern sich im Gegenteil eitel spreizt, wenn von ihm als "prominenter katholischer Theologe" die Rede ist. Bei seinen öffentlichen Auftritten und in seinen Publikationen montiert er die Mosaiksteinchen seines Wirkens in der Katholischen Kirche so zusammen, wie es ihm gerade in sein Weltbild passt, beziehungsweise wie seine "Fans" ihn gerne sehen möchten. Berger ist die zu Fleisch gewordene Eitelkeit, und als Frontmann gegen "kreuz.net", was keine (!) katholische Seite ist, sondern eine Ansammlung von Irren, die, wie der Autor inzwischen den Medien entnehmen durfte, ein derartig wirres Zeug verbreiten, dass selbst Hitlers "Mein Kampf" zu einem Comic verdampft, ist Berger völlig deplatziert. Im Gegenteil: Zu dem Ärgernis nämlich, dass die schwule Community in ihrer Aufgeregtheit eine Nischenseite so richtig schön publik gemacht hat, kommt nun auch noch hinzu, dass ein David Berger an der Spitze eines solchen Kreuzzuges sicher nicht für Glaubwürdigkeit im Sinne von Unabhängigkeit (!) steht, weil es ihm wohl nicht so sehr um einen Kreuzzug gegen "kreuz.net" geht, sondern um einen Kreuzzug gegen die Katholische Kirche, die, um es noch einmal zu verdeutlichen, mit dieser Seite nichts zu tun hat.

Und Dirk Bach? Auch der Autor dieses Beitrags gehörte einmal zu denen, die mit Dirk Bach in einer Kölschkneipe waren, Anfang der 1990er Jahre dies, da war er noch nicht prominent. Es war also mitnichten eine Freundschaft, es war lediglich eine Zufallsbekanntschaft. Die aber hat vollkommen ausgereicht, um zu erkennen und zu spüren, was für ein großartiger und warmherziger Mensch Dirk Bach war. Das aber, was jetzt mit ihm getrieben wird, ist unerträglich. Er kann sich nicht wehren dagegen. Er wird benutzt. Damit ist es Leichenfledderei. R. I. P., Dirk Bach. Ruhe endlich in Frieden!

 

Holger Doetsch

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Kommentare: 14
  • #1

    Boris (Sonntag, 04 November 2012 15:20)

    Dieser Kommentar ist herausragend!

  • #2

    Defensor fidei (Sonntag, 04 November 2012 16:02)

    Danke für diesen Kommentar. Wir konservativen Katholiken freuen uns sehr, wenn selbst einsichtige und kluge Homosexuelle mit uns gemeinsam den Kampf gegen die Gaystapo aufnehmen!

  • #3

    Rosalillith B (Sonntag, 04 November 2012 17:25)

    so traurig dieser plötzliche Tod auch ist, mich hat der Artikel gelangweilt, Aneinanderreihung von Worten blaBLABLA

  • #4

    Det (Sonntag, 04 November 2012 17:26)

    Ein, für mich, insgesamt lesenswerter und nachdenklich machender, Kommentar. Die teils subtile Kritik an beteiligten Protagonisten kommt an, wird verstanden und regt zum Nachdenken an. Fazit: kreuz net erfährt die Aufmerksamkeit, die diese faschistische Seite nie verdient hat. Deren Anhänger allerdings, werden aus Deinem Artikel auch ihre eigenen Nutzen ziehen - aber eben auch deren härteste Kritiker.

  • #5

    Wolfgang Cremer (Sonntag, 04 November 2012 17:27)

    Bei dem ganzen Gesabbel um diesen Bach ist mir richtig schlecht geworden, ich kann es nicht mehr lesen.

  • #6

    B. (Sonntag, 04 November 2012 17:27)

    Ich muss grad mal ein etwas saugfähigeres Tuch unter den Monitor ausbreiten...der Sarkasmus in diesem Artikel trieft enorm.

  • #7

    Schwuler Mann (Sonntag, 04 November 2012 20:09)

    Ignoranz nützt nichts gegen Nazis, Rassisten, Antisemiten, Islamophobe und Homophobe.
    Ohne entsprechenden "Gegenwind" fühlen sich diese Menschenfeinde sogar noch als "Sprachrohr der schweigenden Mehrheit". Insofern ist die unsinnige Beschuldigung der "Werbung für kotz.net" sachlich falsch und erkennbar propagandistisch eingefärbt.

    Dass Dirk Bach von kotz.net benutzt wird "brennt jetzt in der Homo-Hölle" schrieben sie u.a. und nicht etwa von denjenigen, die seine Verleumder verfolgen, ist offensichtlicht, weil auch die Angehörigen des verstorbenen Künstlers die gerichtlichte Verfolgung der Störer der Totenruhe unterstützen.

    Was für ein besch_ssen rechtsextremer Blog!
    Was seid Ihr nur für Schw_e?

  • #8

    Spreeroi!ber (Sonntag, 04 November 2012 20:41)

    Zum einen hat kreuz.net diese Werbung nun wirklich nicht verdient. Dass der Tod des populären Dirk Bach nun das Fass zum überlaufen gebracht hat, ist wirklich bemerkenswert in psychologischer Hinsicht!
    Es verwundert mich, dass die jahrelange Hetze gegen alles, was nicht katholisch-fundamentalistisch eingestellt ist, nicht schon längst zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Macher dieser Seite geführt hat.
    Ich denke trotzdem, dass Dirk Bach damit einverstanden gewesen wäre, dass etwas gegen diese Seite unternommen wird!
    Möge er Frieden bei Gott finden und die Engel zum Lachen bringen!

  • #9

    Besserwisser (Sonntag, 04 November 2012 21:17)

    Ich finde, dass so etwas ans Tageslicht kommen muss! Und je mehr davon erfahren umso besser. So etwas wie kreuz.net geht einfach nicht.
    Man kann doch nicht einfach sagen nur, weil damit zu mehr Publizität gesorgt wirk, kann man die schalten und walten lassen wie sie wollen...??!! Was ist das denn für ein Logik???

  • #10

    ruede (Sonntag, 04 November 2012 21:24)

    Die Verantwortlichen der unaussprechlichen Internetseite überschreiten seit Jahren und in Serie die Grenzen dessen, was noch als freie Meinungsäußerung gelten kann, ohne dass sie rechtlich bislang dafür zur Verantwortungen gezogen wurden.
    Mit ihrem Verbalunrat zum Tode Dirk Bachs haben diese Schandmäuler schlicht den Bogen derart überspannt, dass eine Reihe von Menschen, für die Dirk Bach mehr war als eine Zufallsbekanntschaft und die unter dem plötzlichen Verlust dieses, jawohl, "großartigen und warmherzigen Menschen" und lieben Freundes litten, es nicht länger hinnehmen wollten, dass solch infamer Dreck ungestraft im Netz veröffentlicht werden kann, ohne dass die Ermittlungsbehörden eine Handhabe dagegen finden können oder wollen. Infolgedessen haben sie Geld gesammelt und ein Kopfgeld auf die Ergreifung der Verantwortlichen ausgesetzt, um nicht länger in einem Gefühl der Ohnmacht leben zu müssen. Zum Sachwalter des Fonds haben sie eine Persönlichkeit gewählt, die zum einen über ein hohes Distinktionsvermögen im Bereich der katolischen Untergrundszene verfügt und zum anderen bereits selbst des Langen und Breiten von dieser Internetseite zur Zielscheibe gemacht worden war. Und ganz zweifellos gibt der Erfolg ihnen recht, denn diese Initiative hat, wie man derzeit in der Presse verfolgen kann, erheblichen Schwung in die Ermittlungen gebracht. Wer aber, wie dieser Autor, hinter einem solchen Schritt ausgerechnet einen "Kreuzzug gegen den Katholizismus" wähnt, der steht wohl mit seiner Form des Glaubens in dieser Gesellschaft ohnehin schon mit dem Rücken an der Wand, anders ist eine solche Paranoia kaum zu erklären. Welch eine Perfidie jedoch, sich in einem solchen Wahn auch noch zum eigentlichen Verteidiger Dirk Bachs aufschwingen zu wollen! Dirk Bach braucht solche Fürsprecher ganz gewiss nicht. Dirk Bach hat Freunde.

    http://youtu.be/uHWA0-Yb4BY


  • #11

    Inge Kosloik (Montag, 05 November 2012 14:56)

    Ich finde hier lesen wir einen klugen Artikel über Kreuz.net die keiner Beachtung bedarf. Ich bin ganz der Meinung des Autoren

  • #12

    Sofie Lehmann (Montag, 05 November 2012 20:28)

    Aus dem ganzen Bericht/Kommentar geht der Widerwille des Autors gegen jegliche Gekünsteltheit oder sich in den Mittelpunkt spielen hervor. Da kann ich nur Recht geben, so, wie mit seinem Tode umgegangen wurde, ist es im günstigsten Falle widerlich. Aber es ist ja immer wieder so, wenn einern stirbt, spielen sich andere in den Vordergrund, der Tote hat dann nur noch Alibifunktion. prima geschrieben, lesenswert und deutlich.

  • #13

    Elfi Meyer (Montag, 05 November 2012 20:39)

    Dirk Bach habe ich als lustigen Schwulen (war mir aber eigentlich nie so wirklich bewusst) aus dem Fernsehen und den Medien "gekannt". Er ist gestorben, das ist traurig, das macht betroffen, aber leider müssen wir alle mal sterben. Soll nicht "böse" klingen, ich meine es ehrlich. Alle, die nach dem Tod eines Künstlers, Prominenten, etc. immer so tun, als wären sie die besten Freunde von ihm gewesen ... das finde ich irgendwie lächerlich.
    Einige Kommentare hier finde ich sehr gut.
    Holger Doetsch, den ich als offen und ehrlich kenne, der sagt was er meint, auch wenn`s nicht jeden in den Kram passt, aber er hat recht .... und wie recht er hat.
    Aber mit der Wahrheit können halt "Viele" nicht gut umgehen.

  • #14

    Ronald Ehrenburg (Montag, 05 November 2012 20:44)

    Kurz und knapp: Der Autor hat es auf dem Punkt gebracht. Lieber Herr Doetsch, vielen Dank für diesen sehr weitsichtigen und klugen Kommentar.

    Wenn ich hier so manchen Kommentar lese, wird mir allerdings sehr übel!

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