Facebook gegen die Gesellschaft - Mehr als 300 Freunde zu haben ist asozial

von FLORIAN PASTERNY

 

Seitdem man Freunde hinzufügen kann, und sie nicht mehr einfach so findet, geht die Gesellschaft unter. Seitdem sich Freundschaften nur noch durch bloßes anklicken projektieren, entwickeln sie sich im realen Leben kein Stück weiter. Whatsapp, Facebook und diese ganze andere Netzwerkscheiße durchrauscht unser Leben und wir merken es nicht einmal mehr. Wir versuchen ständig, mit solchen Hilfsmitteln, wie einem Smartphone, immer mehr Zeit zu sparen und bekommen gar nicht mehr mit, dass wir dadurch immer mehr Zeit verlieren. Soziale Netzwerke rauben uns nicht nur Freundschaften, sie rauben uns ganze Jahre unseres Lebens. Sie vereinsamen uns und wir sind uns selbst nicht mehr genug.

 

Auf dem Scheißhaus der jugendlichen Wohlfühlgesellschaft projizieren wir ein Bild, welches unerträglich erscheint. Stattdessen wir Facebook und andere soziale Netzwerke als Chance sehen, radieren wir uns aus. Ich will nicht mit jedem Arschloch auf der Welt bei Facebook befreundet sein, nur weil man sich vielleicht kennt. Es reicht nicht mehr, dass irgendwelche Idioten und Kummerfresser wochenlang vor ihren Computern in stinkenden Wohnungen dahinfaulen. NEIN! Nun müssen die es auch noch allen mitteilen. „Möchtest du den Geruch deiner stinkenden Kacke mit deinen Freunden teilen?“ NEIN!! Angenehme Vorstellung die wir uns allen darbieten.

 

Hartz IV-Puffgänger, vereinsamte Hausfrauen, Menschen mit Migrationshintergrund, New-Economy-Angestellte, Möchtegern-Komiker, Machos und Schlampen tummeln sich auf diesen Netzwerken und durchlaufen einen inneren Prozess der Verrottung und Verrohung.

 

Ab 300 Facebookfreunden ist man richtig scheiße dran. Einsam, verkorkst und null Freunde. Die Statistiken dazu sprechen eine eindeutige Sprache. Bis 100 Facebookfreunde ist vollkommen in Ordnung. Hier scheint die Sonne aus dem Po. Wer zwischen 100 und 300 Facebookfreunde hat, sollte sich selbst einmal kritisch hinterfragen, ob das sein muss. Wenn jemand über 300 Freunde hat ist man gänzlich durch. Ab 500 Facebookfreunden hilft nur noch die suizidale Erlösung.

 

Machen wir doch einfach mal den Selbstversuch. Ich schaue nun einmal aktuell auf Facebook in den Neuigkeiten nach, was die Menschen so posten. Birgit berichtet von Chips die nach Bifi schmecken (das finde ich ganz witzig und hat deswegen seine Daseinsberechtigung). Caro hat ihre Zwischenprüfung gerockt (nicht wirklich eine Breaking-News aber mich hat es interessiert). DWDL berichtet exklusiv, dass Tom Beck bei Cobra 11 aufhört (nur blöd, dass ich es gestern schon in einer richtigen Zeitung gelesen habe. Also auch Facebook ist nicht das schnellste Medium, wie viele immer berichten). „Ich bin so fertig, ich vermisse ihn so“, berichtet Nicole (dann mach halt nicht für jeden die Beine breit, dann klappt es auch mit der Nachhaltigkeit) Mona schreibt nur: „:D“ (sexuell frustriert und nach Aufmerksamkeit schnappen – sie braucht es mal wieder). Jasmin postet ein Bild von einem Schild und regt sich mal wieder über ihren Ex auf (Wert der Wichtigkeit = 0). Jost macht Werbung in eigener Sache (das ist ok, das mache ich auch). Und Nelson findet Andrea voll nett (ich kotze). Wie abstrakt solche Statusmeldungen mittlerweile wirken zeigt uns das folgende Beispiel: Steven fährt durch eine 30iger Zone und teilt dies mit. 37 Likes. Attila berichtet über die Konflikte in Israel und den arabischen Frühling; Zwei Menschen interessiert das.

Facebook erreicht vieles und eines ganz sicher: unwichtige Dinge werden hochinteressant und Elementares geht unter. Oder anders gesagt: Scheiße wird zu Gold. Und Gold wird zu Kotze. Wir beschleunigen das Leben, in der Hoffnung, dass wir mehr Zeit haben. Doch die haben wir nicht. Dieser ständige Druck etwas zu posten, zu liken, zu fotografieren, zu kommentieren oder zu reagieren macht uns mürbe und blöd. Die meisten Menschen auf Facebook sind einfach gnadenlos dumm. Und das schlimme dabei ist; sie versuchen es noch nicht einmal zu verstecken. Da wird einem ein „Guter Morgen“ gewünscht und Einladungen zur Geburtstagsfeier werden via „Erstellen einer Veranstaltung“ abgefrühstückt. Wahre Situation gestern in der Kölner Straßenbahn: Zwei arbeitslo... äh Studenten stehen sich in der Bahn gegenüber und reden so laut miteinander, dass ich dieses Gespräch gut verfolgen kann.

Sie: „Bist du auch auf Timos Geburtstag eingeladen?“
Er: „Ich glaube nicht, er hat jedenfalls nichts gesagt“

Sie kramt in der Tasche nach ihrem Samsung Smartphone.
Sie: „Klar bist du eingeladen – stehst doch bei Veranstaltungen als Eingeladen da“

Er: „Ach echt? Und wie nehme ich das an?“

Ich: „Ruf diesen Timo an und bedanke dich für die unpersönliche Einladung, du würdest aber dennoch kommen.“
Beide gucken blöd und ignorieren mich. Komisch. Auf Facebook hätten sie das bestimmte geliked.

 

Apropos Smartphones. Diese Dinger sind doch wirklich ein Ekel. Ständig muss überall alles fotografiert und gefilmt werden. Und das dumme dabei ist, dass diese Menschen die schönen Situationen des Lebens gar nicht mehr wahrnehmen. Man sieht also die schönen Dinge nicht mehr mit den eigenen Augen, sondern nur noch auf dem Handy – irgendwann später. Das Momentum verpasst. Der Genuss bleibt gänzlich auf der Strecke. Und dann reden auch die Menschen nicht mehr miteinander. Ich war in einem Restaurant. Saßen vier Erwachsene am Tisch. Drei spielten an ihren Smartphones und einer knibbelte am Bierdeckel. Was sollte er auch anderes tun? Er hatte wohl nur ein Prepaid-Nokia mit WAP. Kennen unsere Kinder und Jugendlichen eigentlich noch WAP? Oder sind diese mit 3G aus der Muschi geflutscht? Früher musste man froh sein, überhaupt Netz zum telefonieren zu haben und heute regen sich 12-jährige Plagen darüber auf, dass sie nur „3G und kein H hätten“ - was auch immer das heißen mag (ich weiß es echt nicht).

 

Aber die dümmste Erfindung seit Facebook, Smartphones und einem Hybrid-Auto ist WhatsApp. Hier kann auf einmal jeder sehen, wann ich Nachrichten gelesen habe und wann eben nicht. Jeder der WhatsApp hat wurde schon einmal mit jener Frage konfrontiert: „Wieso antwortest du nicht? Du hast es doch gelesen.“ Schrecklich. Ich will einfach nicht auf alles und jeden sofort antworten. Ich wünsche mir doch einfach nur die gute alte SMS zurück - ohne Statusbericht.

 

Der Autor dieses Artikels ist übrigens leidenschaftlich gerne auf Facebook und Twitter unterwegs. Er besitzt zwei Homepages, ein Smartphone und WhatsApp. Und dennoch sind Facebook und Smartphones ein Herd für Neider und Mobber. Facebook und Smartphones sind keine Erweiterung von Freundschaft und Gesellschaft, sondern eher eine Bremse für Gefühle. Wir sollten uns alle ein wenig mehr zurücknehmen und die wahren Freundschaften nicht vergessen. Denn wenn es Facebook und Smartphones irgendwann nicht mehr geben sollte, wären die Freunde wenigstens noch da.

 

Florian Pasterny

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Kommentare: 15
  • #1

    Conny (Mittwoch, 26 September 2012 18:23)

    Boah, knallhart...ich muss jedoch zugeben: vieles stimmt. Doch es gibt auch die andere Seite von Facebook, hinter dem ganzen Oberflächlichen Kram verstecken sich viele anrührende Geschichten. Die sind selten, doch wenn man sie findet, werden sie zu Perlen. ♥

  • #2

    Corinna S (Mittwoch, 26 September 2012 18:24)

    gut das du einige meiner freunde (meine tochter einbezogen) net lesen musst...ich kotz regelmässig !!

  • #3

    CK (Mittwoch, 26 September 2012 18:29)

    Ich muss gerade lachen, du hast das sehr gut getroffen :)) Es macht nachdenklich, doch es ist eben auch witzig. Habe gerade über Bild.de erfahren, dass sich die Wollnys getrennt haben. Diese Grossfamilie, die im TV vermarktet wird. Jetzt treten die das hier auf Facebook so richtig breit :)) Mutter und Kinder :) Und die Fans geben alle ihren Senf dazu ab. Das ist so blöd, dass es schon wieder Kult ist. :)))

  • #4

    Birgit (Mittwoch, 26 September 2012 18:58)

    Sehr guter Artikel. Wichtig ist, dass man sich nicht im Internet verliert, sondern auch noch am wahren Leben teilnimmt. Für manche Menschen ist es wohl der einzige Draht zur Außenwelt, das ist traurig. Man muss für sich abwägen, was lasse ich zu und was nicht. Ich kann ja nur für mich sprechen, bei mir liegt das iPad immer hier auf dem Tisch und die Neugier treibt mich immer wieder, mal nen Blick reinzuwerfen. Meine besten Freundinnen haben kein whatsapp und auch kein Facebook, nicht mal nen Computer. Sie schreiben noch SMS oder rufen an. Jeder, wie er es mag. Das muss man respektieren. Ich hab schon viel Spaß bei Facebook gehabt, aber auch schon erschreckend viel Blödsinn gelesen. Vor allem die Rechtschreibung mancher Nutzer sollte einem Sorge machen, die sollten vielleicht die Zeit, die sie in Facebook verbringen, lieber zum lernen nutzen.
    Deine Artikel, die ich allesamt lese, sind immer ein kleines Highlight. Oft wird mir aus der Seele gesprochen. Mach weiter so!

  • #5

    Wendy (Mittwoch, 26 September 2012 20:16)

    gut geschrieben verstehe jedoch die kritik nicht wenn man selbst solche plattformen benutzt :) ausserdem hast du den einen satz frei nach serdar somuncu quasi kopiert :) http://www.youtube.com/watch?v=6f-t2A6kfJY&feature=related liebe grüsse

  • #6

    Jost Alpe (Mittwoch, 26 September 2012)

    Schöner Artikel !!! Und ausgerechnet heute hab ich nix geistreiches gepostet... nur Werbung... doof...;-) !

  • #7

    Koppi (Mittwoch, 26 September 2012 20:17)

    cooler text - weisst du, der mensch ist geistig noch immer im mittelalter - nur die technik hat sich geändert. früher waren die "dummen" unter sich, heute überfluten sie durch die möglichkeiten der technik unsere welt smile sowas muss man aushalten, einfach ist es nicht.

  • #8

    Sarah (Mittwoch, 26 September 2012 20:18)

    Gut geschrieben und Recht haste auch aber man merkt es halt nicht mehr das Facebook usw viel Zeit brauchen.

  • #9

    Jasmin (Mittwoch, 26 September 2012 20:19)

    Ich weiß wo du wohnst!!!!!! Ich komm dich hauen !!!

  • #10

    Caro (Mittwoch, 26 September 2012 20:19)

    Ach du Schande

  • #11

    Konstantin (Freitag, 05 Oktober 2012 12:33)

    Mag sein das Facebook und co. den ein oder anderen Nachteil mit sich bringen. Dennoch überwiegen die Vorteile!( siehe die Revolution in Tunesien)
    Und was ich persönlich zum kotzen finde, ist die selbstgerechte, arrogante und überhebliche art von FLORIAN PASTERNY !!!
    Niemand zwingt dich dazu es zu benutzen

  • #12

    Constantin (Freitag, 23 November 2012 02:13)

    Facebook bringt nicht "den ein oder anderen Nachteil mit sich" - die Nachteile
    überwiegen. Revolution in Tunesien hin oder her - der Verlauf der Geschichte wurde hier zwar beschleunigt, aber grundsätzliche Probleme sind dort noch lange nicht gelöst.
    Es wird noch eine Weile dauern bis man einsieht, dass unser Leben wieder ent- schleunigt werden muss. Man braucht nicht 300 Freunde auf Facebook, um seine menschlichen Eitelkeiten zu befriedigen. Man braucht nicht das modernste Smartphone, um immer und überall alles zu wissen und doch gar nichts zu verstehen. Auch noch so kuriose Youtube-Videos, die Millionen von Menschen anklicken, bringen die Menschheit nicht weiter.
    Moderne Kommunikationsmedien machen uns nicht zu besseren Menschen, sondern tendenziell zu dümmeren.
    Dass einen "niemand zwingt" Facebook zu nutzen, ist nicht wahr. Will man nicht große gesellschaftliche Nachteile hinnehmen, muss man es nutzen. Das ist Zwang PUR! Zukünftig wird der Zwang und die Abhängigkeit weiter zunehmen. Eine allgemeine Mäßigung was die Nutzung moderner Kommunikationsmedien betrifft, ist nicht in Sicht. Hoffentlich kann uns die Generation, die ohne Internet groß geworden ist, noch rechtzeitig zu mehr Medienverzicht bewegen.

  • #13

    H (Montag, 10 Dezember 2012 09:54)

    Da ich 2.700 Freunde habe bin ich also quasi 9 x scheiße. Das gefällt mir!

  • #14

    Andrea (Dienstag, 11 Dezember 2012 11:30)

    Ich bin RICHTIG scheiße Scheiße hoch 16 so in etwa. Und das Beste: DU bist ein Teil davon!! (Toller Artikel by the way. Und erschreckend ehrlich!)

  • #15

    Andi (Freitag, 21 Februar 2014 21:38)

    mich interessiert dieser ganze unwichtige scheiss, der oftmals geschrieben wird, auch nicht. denoch kann sich der autor seine kommentare darueber, dass sich leute mit zu vielen fb-freunden, seiner meinung nach, umbringen sollten sparen. leute, die sich ueber solche belanglosigkeiten so aufregen, haben wahrscheinlich selbst emotionale probleme.

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