Die "Affäre" Bettina Wulff

von HOLGER DOETSCH

 

Bettina Wulff, die Gattin des Ex-Bundespräsidenten, ist eine schöne und starke Frau. Dies war für Freund und Feind der Familie Wulff am eindrucksvollsten zu erkennen, als ihr Mann Christian im Schloß Bellevue seinen Rücktritt erklärte. Bettina Wulff stand da neben ihm, fest wie eine Burg, und ihre Mimik und Gestik, beides stand in geradezu perfektem Einklang, signalisierte: Ich stehe zu meinem Mann! Und dann war da noch dieses Lächeln, und wenn man es sah, konnte man meinen, dass dieses Lächeln gerade in Richtung der Journalisten ausdrückte: "Ihr könnt uns mal!" Oder, wahlweise: "Ihr könnt uns nichts mehr!"

Die "Rotlicht-Gerüchte" um Frau Wulff stammen aus der CDU und CSU

Wer stark ist, muss in seinem Handeln Größe zeigen. Und wer (vermeintlich) schwach ist, muss Stärke zurückgewinnen, wenn er nicht untergehen will. Wenn Frau Wulff gedacht haben sollte, dass Journalisten ihr und ihrem Mann nun nichts mehr können, dann zeigt sich nun: Es war ein riesengroßer Irrtum. Seit Tagen wird ein hinlänglich bekanntes Gerücht aufgemotzt und verbreitet, das Gerücht, wonach Frau Wulff in ihrem früheren Leben im Rotlichtmilieu tätig gewesen sein soll. Der Autor dieses Beitrags weiß sehr genau, wer hinter diesen Gerüchten steckt: "Christliche" Politiker aus der Union, und nicht selten sind es die, die in der öffentlichen Wahrnehmung derart moralinsauer wirken, als würden sie mit der Bibel ins Bett gehen. In sogenannten Hintergrundgesprächen mit Journalisten erzählen sie anfänglich geschäftsmäßig-gelangweilt, warum sie im Bundestag für dieses oder jenes Gesetz stimmen wollen oder auch nicht stimmen wollen, da sind sie dann schnell beim "Ehegattensplittung", bei den Homos, beim hohen Stellenwert der Familie, bei Moral & Co eben, und dann, spätestens dann lassen sie sich gefragt oder ungefragt über die angebliche Vergangenheit der "Betty" aus, wobei auffällt, dass die anfängliche Langeweile von einem Glanz in den Augen abgelöst wird. Sofern diese "christlichen" Partei-"Freunde" politisch so gar nichts zu vermelden haben, ein Hintergrundgespräch also nicht infrage kommt, dann müllen sie den Journalisten während eines der zahlreichen Empfänge in Berlin die Ohren voll mit diesem Thema und vergiften den vermeintlichen Smalltalk mit Sätzen wie: "Schon gehört von den Gerüchten um die Wulff? Gucken Sie doch mal im Internet, da gibts was Neues..." Die Wulff - das sagt schon alles über den Respekthaushalt des Absenders, und auf die Frage des Autors dieses Beitrags, ob der Herr Abgeordnete denn eventuell Kurt Tucholsky kenne und dessen Satz: "Der größte Lump in diesem Land, das ist bekannt, der Denunziant", antwortete dieser: "Das ist eine Unverschämtheit!" Unverschämtheit? Ja! Doch ist der Adressat falsch, denn die einzige, die hier laut "Unverschämtheit!" ausrufen könnte, ist Bettina Wulff, die dabei allerdings in einem argen Dilemma steckt, weil es nicht nur die Front der "christlichen" Schwätzer in der CDU/CSU zu bekämpfen gilt. Es gibt eine weitere, gleichwohl viel gefährlichere Front: Die Journalisten.

Manche Journalisten spielen in der "Affäre Bettina Wulff" eine ganz üble Rolle

Bettina Wulff weiß: Das Archiv ist die Rache der Journalisten! Und in  manchen Redaktionen, man kann es sich denken, in welchen, wird das Archiv gar "Giftschrank" genannt. Dass das Archiv oder der Giftschrank die Rache der Journalisten ist, ist nicht nur ein geflügelter, sondern vielmehr ein widerlicher Spruch, denn Rache zu nehmen ist eines der niederträchtigsten Eigenschaften des Menschen, womit automatisch einhergeht, dass Journalisten beim Recherchieren, Senden oder Schreiben niemals von Rachegelüsten getrieben sein dürfen. Sie haben bei der Ausübung ihres Berufs im Gegenteil besondere Pflichten zu erfüllen, wozu die genaue Prüfung ihrer Berichterstattung anhand der drei Kriterien "Wahrheit", "Vollständigkeit" und "Güterabwägung" gehört. Doch was tun sie? Nicht wenige Medienvertreter stellen in diesen Tagen unter Beweis, dass das Berufsbild "Journalist" eben kein geschütztes ist, und jeder, der mal einen läppischen Leserbrief hingeschmiert hat, kann durchdrungen von falschem Stolz auf seiner Visitenkarte vermerken: "Journalist". Und wenn diese die Hintergrundgespräche und Empfänge mit all den Wulff´schen Partei-"Freunden" verlassen haben, dann wissen sie im Grunde nur eins, nämlich, dass sie gar nichts wissen, weil die gehörten Ausführungen der Wulff´schen Partei-"Freunde" immer sehr blumig und vage sind, klassische Wesenseigenschaften eben der Denunziation.

Warum stellen Journalisten eigentlich nicht die alles entscheidende Frage?

Mal abgesehen davon, dass es eigentlich vollkommen (!) irrelevant wäre, ob die Gerüchte stimmen oder nicht stimmen, und es auffällt, dass es immer dieselben Typen sind, die sich an so einem Mist aufgeilen, die Irren von "kreuz.net" etwa, oder zu Fleisch gewordene Moralisten wie die Abgeordneten Katharina Reiche (CDU) oder Norbert Geis (CSU): Gerade die zur Wahrheit verpflichteten Journalisten müssten sich im Grunde nur eine einzige Frage stellen: "Wenn was dran ist an den Rotlichtgerüchten - wie kann es da sein, dass sich bisher nicht ein einziger Freier, nicht ein einziger Clubbesitzer, nicht ein einziger Barangestellter gemeldet hat, mit denen ´Betty´ zu tun hatte?" Und: warum recherchieren sie nicht, gehen in die Bars, wo "Betty" angeblich gearbeitet haben soll, um die Wahrheit zu erfahren?
Nein, sie recherchieren nicht. Aber, und das ist das Fatale, sie schweigen eben auch nicht, sondern sie sabbeln das nach, was ihre halbseidenen Kollegen vorher gesabbelt haben und kommentieren Halbwahrheiten, die immer Lügen sind, weil sich eine Wahrheit nicht relativieren lässt. Dies nach dem Motto: "An jedem Gerücht ist irgend etwas dran!", was wiederum vollkommener Quatsch ist, Quatsch, der bei dem, der das denkt, einen miesen Charakter offenbart.

Bettina Wulff vs. Günter Jauch: Wie Jauch ein Gerücht so richtig hoch kocht

Einer, der auch nichts weiß, aber sein Nichtwissen über Frau Wulff munter in die Welt posaunt, ist Günter Jauch, der ja auch gerne als "Journalist" bezeichnet wird, als ein "hochangesehener" gar, wie die "Süddeutsche Zeitung" merkwürdigerweise schreibt, dabei aber nichts anderes ist als ein Grimassenschneider - prominent, omnipräsent, hochbezahlt und dabei völlig überbewertet. Wer aus Versehen die Mauer seines gewaltigen Anwesens am Heiligen See in Potsdam berührt, oder gar Fotos von ihm macht, muss damit rechnen, Opfer der Klagewut des Herrn Jauch zu werden. Jetzt ist er selber verklagt worden, von Frau Wulff, weil er die Gerüchte in seiner Sendung aufgegriffen und so all die Scheiße kübelweise in Millionen Wohnzimmer gekippt hat. Und was tun die nichtrecherchierenden und gerüchteanfälligen Journalisten? Sie beschränken sich auf die Frage, ob denn Frau Wulffs Verhalten angemessen sei oder nicht. Es ist nicht zu fassen, und bei alledem ist Bettina Wulff zu wünschen, dass sie diese Klage gegen Günter Jauch und andere auf Unterlassung gewinnen wird, denn es würde ein Exempel statuieren und ein richtiges und wichtiges Signal setzen. Doch wie dem auch sei: Im Grunde kann Frau Wulff sehr zuversichtlich in die anstehenden juristischen Auseinandersetzungen gehen. Denn sie ist es ja, die die Wahrheit kennt. Und daraus folgt, dass das Archiv beziehungsweise der "Giftschrank" die Rache mancher Journalisten sein mag, doch wenn im Archiv oder im "Giftschrank" nichts drin ist, dann stirbt die Rache den sicheren Tod und schafft Platz für etwas, was hier bisher auf weiter Flur fehlt: Vernunft.

 

Holger Doetsch

 

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Kommentare: 7
  • #1

    E. Meyer (Sonntag, 09 September 2012 11:56)

    Ohne jetzt auf irgendwelche Personen (Namen) einzugehen ........... ICH finde ich es immer wieder widerlich, wenn man bei Prominenten sucht und gräbt, tief, tiefer am tiefsten ...... bis es gar nicht mehr weiter geht. Jeder Mensch hat ein Privatleben, eine Vergangenheit ...... und immer unter der Voraussetzung, er hat damit keinen anderen Menschen beleidigt, verletzt oder sonstwie geschadet, es geht niemanden etwas an. Diese Schüssellochkriecherei widert mich an. Pfui Teufel.

  • #2

    George H. Peters (Sonntag, 09 September 2012 14:39)

    Man kann Frau Wulff nur vorwerfen, daß sie mal im Politiker- und Journalistenmilieu tätig war.

  • #3

    Astrid Siercke (Sonntag, 09 September 2012 18:17)

    Bettina Wulff, die Jane Austen des 21. Jahrhundert. Stolz und Vorurteil.

    Da muss nun eine Frau daher kommen. Eine starke Frau, die es schafft den Fokus wieder auf so „banale“ Dinge wie Wahrhaftigkeit zu richten. Furchtlos und in großen Teilen ihren männlichen Artgenossen weit überlegen, bietet sie die Stirn.
    Da es in unserer Gesellschaft und in der Medienwelt nicht mehr von Belang scheint, Moral und Werte als miteinander symbiotisch verbunden zu betrachten, die Sucht des schnellen Erfolges, die Beliebigkeit der Mittel zu gestatten scheint, ist eine Frau wie Bettina Wulff eine Wohltat.
    Nitzsche schrieb „Es ist noch nicht genug, eine Sache zu beweisen. Man muss die Menschen zu ihr auch noch verführen.“
    Die Zeit hat Nitzsche eingeholt, heute verkauft sich in den Medien in erster Linie die Verführung, den Beweis bleiben sie zu oft schuldig. Wird über das Rotlicht Milieu gesprochen, so fragt sich ein kritischer Leser doch in der Tat: Wer macht sich zu wessen Hure, wenn er verkauft, was der geneigte Kunde lesen, hören, konsumieren möchte?
    Möge Bettina Wulff die Frau sein, die die Giftschränke öffnet, egal was darin zu finden sein mag, eine Bloßstellung des ach so „investigativen Journalismus“ wird es in jedem Fall sein.
    Astrid Siercke

  • #4

    Gabriele Heuze (Sonntag, 09 September 2012 18:50)

    Gut. Aber was ist denn nun? Hat sie oder hat sie nicht?

  • #5

    Roland Schmid-Paleski (Montag, 10 September 2012 11:19)

    Ich bin sprachlos, welche Belanglosigkeiten hier diskutiert werden. Holger du hast ja Recht, über die so genanten Kollegen zu schreiben, aber hilft das irgendwem, der sich existenzielle Sorgen macht, wie er mit drohender Altersarmut, mit Sozialabbau auf allen Ebenen, zurechtkommen wird, in nicht mehr all zu ferner Zukunft. Und an Frau Gabriele Heuze meine Frage, und was wäre dann wenn sie ja,oder wenn doch nicht ?
    Geht es ihrem Moralischen Ego dann besser ?
    Wenn man weiss, daß beim nächsten Schritt, den man tut der Sumpf zur Gefahr wird, sollte man dann nicht nach einem sicheren einem Trittfesterem Weg suchen.
    Schöne Woche noch, euch allen.

  • #6

    G. Göttfert (Dienstag, 11 September 2012 10:09)

    Der Skandal um Expräsident Wulff begann damit, daß Wulff meinte seine herausragende Stellung sei dazu geeignet Einfluß darauf zu nehmen, was die Presse berichten dürfe und was nicht. (Anruf beim Bild Chefredakteur bzgl. Hauskredit). Danach hat er sich einigemale fadenscheinlich entschuldigt. Nun wird klar: Von wirklicher Einsicht kann keine Rede sein. Jetzt will also Frau Wulff vorgeben, was berichtet werden darf und was nicht. Anstatt froh zu sein, daß die Rotlichtgerüchte mehr und mehr aus den Klatschspalten verschwinden, sorgt Sie nun selbst für Reaktivierung und greift Journalisten an die mit der Hinterfragung der Gerüchte nur ihrem Job nachgekommen sind. Mit der eigenen Erlichkeit nimmt Sie´s freilich nicht so genau und es ist ihr nicht peinlich dabei erwischt worden zu sein, in ihrer offizillen "Präsidentinnengattinbiografie", Studien, Abschlüsse und Fakultäten anzugeben, die so gar nicht esixtieren. Bei ihrem Rechtsverständnis wären sie und Ihr Mann wohl in einem weniger demokratischen Staat besser aufgehoben.

  • #7

    Sofie Lehmann (Montag, 29 Oktober 2012 21:55)

    @Gabriele Heuze, Frau Heuze, Sie haben den Bericht, respektive Kommentar, nicht verstanden.

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