Einmal Nazibraut, immer Nazibraut - Drygalla Braun und die Folgen

von FLORIAN PASTERNY

 

Einmal Nazi - immer Nazi oder die Lügen einer Sportlerin mit braunen Freunden. So oder so ähnlich kann man die Konstellation beschreiben. Blaue Auge, blondes Haar, verzweifelt und verheult zu Boden starrend: so präsentierte sich Drygalla vor einigen Tagen der deutschen Presse. Sie fühlt sich verfolgt und missverstanden. Ähnlich geht es ihrem Freund Neonazi Michael Fischer. Arme Nazis. "Ich habe keine Verbindung in diese Szene gehabt und lehne das absolut ab", sagte die 23-Jährige aus Rostock der Nachrichtenagentur dpa. Sie geht nur mit einem Nazi ins Bett. Eine Verbindung besteht da nicht. Die Lächerlichkeit dieser Aussage macht sogar die Welt am Sonntag stutzig. Hat sie doch jüngst Bilder veröffentlicht, worauf zu sehen ist, dass Drygalla bei einer Nazi-Aktion dabei gewesen sein soll. Und auch der angebliche Ausstieg Fischers soll nur ein Finte gen Presse gewesen sein. In Rostock selbst wisse man nichts von Fischers Ausstieg aus der rechten Szene.

Die Ruderin betont, dass sich Fischer von der rechtsradikalen Szene losgesagt hat. Ihr Freund habe "persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet", beteuert Drygalla. Dass Fischer kein Mitglied mehr der NPD ist, bestreitet niemand. Der rechten Szene ist er trotzdem weiter treu geblieben und hat dieser keineswegs den Rücken gekehrt.

Nun diskutieren wir also darüber, ob eine Sportlerin für Deutschland antreten darf, wenn sie selbst ein Neonazi ist oder einen Neonazi liebt. Die Frage ist nicht ganz so einfach. Wenn sie selbst rechtes Gedankengut hegt, dann hat sie definitiv und ohne Kompromisse nichts im deutschen Team einer Sportart verloren. Aber auch, wenn „nur“ ihr Freund ein Spinner ist, hat sie da nichts verloren. Wie soll sie, als Botschafterin unseres Landes, sportliche Herausforderungen sowie gesellschaftliche Pflichten wahrnehmen, und privat gleichzeitig einen Faschisten lieben? Der deutsche Sport zeichnet sich seit Jahren im Kampf gegen Rassismus und Faschismus aus. Wie glaubhaft kann der deutsche Sport dann noch sein?

 

„Frauen haften nicht für ihre Männer“ - aber es ist eine ethische Frage, ob jemand sportlich repräsentieren sollte, der (möglicherweise) rechtsradikales und/oder menschenfeindliches Gedankengut in sich trägt, welches dem natürlichen Verständnis sowohl Deutschlands als auch den olympischen Spielen widerspricht.


Verwunderlich in der ganzen Sache sind die Nazis selbst. Die eifrigsten Pocher auf Meinungsfreiheit und Toleranz sind Rechtsextreme - solange es sie selbst betrifft. So schreiben sie unzählige Blogs und Artikel zur bösen intoleranten Gemeinschaft, die es nicht respektieren kann, wenn ein Mensch anders denkt. Anders denken ja – aber nicht rechtsextrem. Hier hört Meinungsfreiheit zum Glück auf.

 

Göbbels hat mal gesagt: "Wenn unsere Gegner sagen: "Ja, wir haben euch doch früher die Freiheit der Meinung zugebilligt". Ja, ihr uns! Das ist doch kein Beweis, daß wir das euch auch tun sollen. Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis, wie dumm ihr seid."

 

In diesem Land wird es einfach keine Toleranz mehr gegenüber dieser menschenverachtenden Ideologie geben. Das müssen nun auch endlich mal die Nazis einsehen. Insofern sollten wir froh über die Art der öffentlichen Diskussion sein, denn diese zeigt einmal mehr, wie weit die Menschen in diesem Land dann doch noch sind.

 

Ich nehme weder Drygalla noch Fischer die Distanzierung zur rechten Szene ab. Und es ist richtig, dass Drygalla hoffentlich nie mehr für Deutschland antreten wird, denn wer mit Scheiße spielt, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn die Finger stinken.


Florian Pasterny

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Kommentare: 1
  • #1

    Kleene (Montag, 06 August 2012 20:52)

    Ich finde diesen Artikel gut, weil sowas sollte einfach nicht sein! Nein sowas darf nicht sein das so jemand für Deutschland antritt. Bei der Geschichte die unser Land hat und meiner Meinung nach trägt jede weitere Generation die Verantwortung für das was nunmal LEIDER geschehen ist und wir müssen dafür sorge tragen das sowas Menschen verachtendes niemals wieder geschieht. Das ist ein mindestens genauso wichtiges Thema wie die Aufklärung über Aids vielleicht ein komischer Vergleich aber ich denke das es 2 Themen sind die man die ´niemals vergessen darf und unterschätzen sollte. So sollte sich jeder seiner Verantwortung bewusst sein und der auch nach kommen und nicht feige die Augen davor verschliessen.

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