Erst die Arbeit, dann das Vergnügen - wo bleibt der Genuss?

von FLORIAN PASTERNY

 

Wann haben Sie sich das letzte mal so richtig verloren? Die Tristesse dieser Frage ist überdeutlich. Die preußische Tugend der Deutschen hat sich einmal mehr zum Problem affektiert. Die Maßlosigkeit der Mäßigung ist zur Hürde für Jung und Alt geworden. Hat man früher noch genossen so muss man heute Maß halten. Neoliberalismus, Idealismus, Postmoderne, Political Correctness und Gesundheitsterrorismus sind Gründe für eine solche Ungenießbarkeit des Lebens. Kehren wir um zu einer obsoleten Denkweise und gebrauchen unsere Lust als Ventil einer evidenten Wahrheit.

Wir haben verlernt zu genießen. Käse ohne Fett, Sahne ohne Sahne, Kneipen ohne Rauch, Sex ohne Körperkontakt, Fußball ohne Ärger, Bier ohne Alkohol, Jugendliche ohne Spaß, Autos ohne Bleifuß - Leben ohne Genuss. Der Deutsche an sich war schon immer äußeren Zwängen und Trendwellen ausgesetzt. So erleben wir derzeit einmal mehr den Umweltterrorismus. Bio-Lebensmittel, Rauchverbote in Restaurants und Elektroautos mit 120 km/h Spitzengeschwindigkeit. Wo bleibt da noch die Lust auf mehr? Denn eine der wichtigsten Voraussetzungen für wahren Genuss ist Hingabe und Loslassen-Können - doch das können die Deutschen nicht mehr. Sie unterliegen Zwängen, Verboten, moralischen Richtlinien.

 

Was wir vermissen? Ein ganzheitlicher, überwältigender, berauschender Glücksmoment des totalen Einsseins mit sich und der Welt - doch dies ist nicht planbar. Aber verhinderbar. Eben durch unsere Tugenden und eben erwähnten äußeren Einflüssen. Selbst der Sex ist nicht mehr das was er mal war. Virtuelle Reize nehmen uns die Lust nach frischen und fremden Fleisch. YouPorn, Cybersex, Telefonsex, Camsex, Pornobiler - kein Grund mehr für Sex aus dem Haus zu gehen, geschweige denn sich zu waschen.

 

Und dann dieser Gesundheitswahn. Ständig müssen wir schlank, gesund und sportlich sein. Wo bleibt der Genuss? Sportler prahlen: „Joggen tut so gut“. Nein tut es nicht. Schokolade essen, Abends ein Glas Rotwein trinken und bei der Pizza doppelt Käse ordern - das tut gut.

 

Wir sollten uns einfach mal wieder so richtig verlieren. Einfach mal treiben lassen und die Glücksmomente, wenn sie denn da sind, genießen. Schaffen wir uns unseren eigenen Genuss - abseits der üblichen Moralvorstellung, Ethik und Tugend. Wir brauchen wieder mehr Anstößigkeit, persönliche Skandale und wir müssen lernen, wieder mal richtig versaut und hemmungslos zu sein. Ficken, saufen, rauchen - der Genuss wird es uns danken. Am Ende bleibt wohl nur eine Quintessenz aus diesem Artikel: Käse sollte doch bitte immer mindestens 45 % Fett enthalten.


Florian Pasterny

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Kommentare: 2
  • #1

    Namenlos (Montag, 28 Mai 2012 19:27)

    Ja..Käse und auch alle anderen Sachen.. die originale und auch die hemmungslosen, leidenschaftlichen Sachen sollten zurück zur Natur. Der Mensch soll aussehn dürfen, wie es ihm die Natur in die Wiege legt und nicht wie es ihm von der Gesellschaft aufgezwungen wird, nur um Normen zu entsprechen. Dass ist der Grund für unsere Selbstmordrate und auch für all die Menschen, die das Gefühl haben nicht "NORMAL" zu sein und sich einbilden eine Psychotherpie machen zu müssen oder ihre Kinder vollstopfen mit psychophamazeutischen Medikamenten, weil sie ja "Hyperaktiv" seien. Dabei ist diese Hyperaktivität nur ein natürlicher Prozess auszubrechen aus dem Stress des Alltags.

  • #2

    MissEli (Dienstag, 29 Mai 2012 15:08)

    Gut geschieben! Anscheinend aus tieftster Seele :-)

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