Wulff ist kein Bundespräsident mehr

von FLORIAN PASTERNY

 

Natürlich ist der Niedersachse Christian Wulff noch Bundespräsident – leider. Aus dem beschaulichen Hannover ins wüste Berlin gewechselt und nun ins Loch der Tragik gefallen: das ist Christian Wulff. An sich wären seine Vergehen weder wild noch schlimm. Doch er hat einen Makel. Er ist Bundespräsident. Und als solcher ist man an gewisse Pflichten gebunden. Wulff ist eher der Kaiser mit den neuen Kleidern. Jeder in der CDU weiß, dass er nackt durch die Probleme seiner Lügen streunt und keiner spricht ihn darauf an.

Der Bundespräsident wollte beim Amtsantritt kein Frühstücksdirektor sein. „Ich werde ein unangenehmer Präsident sein.“ Heute spiegelt dieser Satz eine laute Satire und gleichzeitige Tragik wider. Denn unangenehm ist dieser Bundespräsident wirklich geworden. Er beschädigt dieses Amt seit Wochen in einer Art und Weise die kaum ein Nachfolger reparieren kann. Sein taktisches Verhältnis zur Wahrheit – oder auf deutsch – seine dreisten Lügen und seine Verkennung der Realität machen ihn zur persona non grata in der Bundesrepublik Deutschland.

Dieser Bundespräsident war noch nie ein guter Bundespräsident. Außer bei seinem Islamvorstoß („Der Islam gehört zu Deutschland“) hat Wulff nichts bewirkt. Er ist ein steifer, konservativer, unehrlicher und dubioser Mensch. Jahrelang haben Journalisten geglaubt, dass es Wulff um Glaubwürdigkeit geht. Eine Zeitlang war er sogar der beliebteste Politiker in Deutschland. Seine Integrität, seine Moral, seine Werte – alles nur noch eine Anhäufungen von Lügen.

Die Medienschelte ist unangebracht. Weder die Bild noch der Spiegel gehören angegriffen. Die Journalisten haben alles richtig gemacht. Unisono berichten alle Zeitungen in einer großen Empörung über Wulff. Denn Wulff hat alles falsch gemacht. Korruption, Einschnitt der Pressefreiheit, Verschleierung, Vorteilsnahme und wahrscheinlich auch noch mehr. Wie sagt stets meine Oma: „So etwas macht man einfach nicht.“

Der Bundespräsident hat ein leeres und stumpfes Interview in der ARD und im ZDF gegeben – zur besten Sendezeit. Er möchte, dass wir alle Freunde haben die uns mal eben 500.000 Euro ohne Sicherheiten leihen und die uns kostenlos in ihren Villen verweilen lassen. Lieber Herr Bundespräsident, das ist vermessen und eine Frechheit.

Das Amt des Bundespräsident wird durch ein Gesetz besonders geschützt. Verunglimpfungen und Beleidigungen, Satire und Witze über den Bundespräsidenten sind bei Strafe von mindestens drei Monaten verboten. Dieses Gesetz muss Wulff nun abschaffen. Denn er kann vom deutschen Volk nicht erwarten, dass sie sich jetzt noch an dieses Gesetz halten. Die Würde des Amtes ist beschädigt und Herr Wulff hat die besondere Sicherheit, aus Respekt vor dem Amt, verspielt.

Es war eine kleine Korruptionsaffäre, er hätte es einfach mit einem Paukenschlag auflösen sollen und er hätte gewiss seine zweite Chance bekommen. Doch die Salamitaktik und das beschissene Krisenmanagement gepaart mit seiner grenzdebilen Auffassung von Moral haben ihn an den Rand des Abgrundes getrieben. Eine suizidale Folter gegen sich und seine eigene Familie. Der Eid des Bundespräsidenten kann sich, mit heutiger Sicht, einer gewissen Komik nicht verschließen: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“ Sehr geehrter Herr Bundespräsident, üben Sie gegen sich selbst Gerechtigkeit und treten Sie zurück. Besser gestern als heute.


Florian Pasterny

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Kommentare: 4
  • #1

    100% (Donnerstag, 12 Januar 2012 11:19)

    100 % richtig. Dieser Mann gehört nicht mehr in das höchste Amt des Staates. Der Artikel trifft den Nerv des ganzen.

  • #2

    Markus Weitsch (Donnerstag, 12 Januar 2012 11:20)

    Ich denke das Wulf bald zurücktreten wird aber ich hoffe es nicht. er ist ein guter präsident und die affäre sollte man nicht so hochschaukeln.

  • #3

    Ilka (Donnerstag, 12 Januar 2012 11:28)

    :)

  • #4

    gastgeschreibsel (Freitag, 13 Januar 2012 14:55)

    vorgestern wär auch ein schöner tag zum zurücktreten gewesen... :-(
    aber... hauptsache ist ja nur, das er nicht seinen kredit durch eine hypothek aufs bellevue`sche schloss auslöst bevor er geht...

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