Der Papst und die Homosexuellen: Schwule Empörungsmaschinerie

von HOLGER DOETSCH

Der Papst besucht im September Deutschland, und die schwule Empörungsmaschinerie brummt auf Hochtouren. So nutzte der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim bereits im Februar die Verleihung des "Teddy Award", um den "Mann mit den roten Schuhen" - gemeint war Benedikt XVI. - in eine Reihe mit mordenden Diktatoren zu stellen.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) heulte zeitgleich auf, die Katholische Kirche sei "mittelalterlich und wenig menschenfreundlich", und begann stante pede mit der Planung von Aktionen und Demonstrationen "gegen die katholische Sexualmoral". Unterstützt wird der LSVD dabei von einer Vielzahl anderer Organisationen, die allesamt "für sexuelle Selbstbestimmung streiten", so LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert. Es ist die Kirche selbst, die alles das provoziert, dies auch durch ihre merkwürdige Öffentlichkeitsarbeit, in der eher geschwiegen wird. Sie widerspricht nicht, wenn Bibelzitate bewusst falsch interpretiert werden oder ihre Amtsträger dummes Zeug reden. Unkommentiert bleiben auch die blödesten Kommentare in den sozialen Netzwerken, mit denen die Kirche diskreditiert werden soll, "Facebook" etwa scheint ein Sammelsurium von theologischen "Experten" zu sein, und gerade schwule User werden hier nicht müde, nicht nur dem Papst, sondern eine Milliarde Katholiken weltweit an den Karren zu pinkeln.


Die Kirche schweigt zu alledem. Sie schweigt auch, wenn irgendwelche Irren sich auf der Hardcore-Website "kreuz.net" über Schwule als "Sodomiten" ereifern, deren "Aids-Mäuler Mundgeruch verbreiten". Sie werden von offizieller Seite also nicht zurückgepfiffen, was schon deshalb zu kritisieren ist, weil die Kirche lehrt, dass Homosexuellen "mit Respekt" zu begegnen sei, ein Respekt, der in den eigenen Reihen aber nur wenig Wert zu haben scheint, wenn man dem Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke glaubt, dessen Diözese umzingelt ist von zahlreichen Homo-Lokalen: "Wir wollen in unserem Klerus keine Homo-Kultur haben." Solche Aussagen, gepaart mit anderen offiziellen Haltungen der Kirche, wonach Homosexualität eine "schlimme Abirrung" sei, lässt die Katholische Kirche unglaubwürdig und widersprüchlich erscheinen.


Im Vorfeld des Papstbesuchs sind es auch zwei Personalentscheidungen, die die Katholische Kirche in ein düsteres Bild rücken: So wurde die Entlassung des Theologen David Berger nicht nur mit dessen Lehren erklärt, die denen seines Arbeitgebers, der Kirche also, widersprechen würden, sondern darüber hinaus mit seiner "Lebensführung". Mit dieser windigen und zugleich entlarvenden Begründung käme kein Arbeitgeber vor keinem Arbeitsgericht durch. Eine andere weit bedeutendere Personalie ist wiederum schlicht ärgerlich und kaum nachvollziehbar: So soll der neu ernannte Bischof von Berlin, Rainer Maria Woelki (54), "Opus Dei" nahestehen. Woelki ist damit (nicht nur) für Schwule ein tiefrotes Tuch, denn diese erzkonservative Laienorganisation ist bekannt für eine strikte Ablehnung homosexueller Lebensweisen. Sogar die CDU-Politikerin Monika Grütters bezeichnet Woelkis mögliche Nähe zu "Opus Dei" als "verheerend". Hinzu kommt, dass Woelki ein Ziehkind des Kölner Kardinals Meisner ist, der mehrmals deutlich gemacht hat, dass Homosexualität für ihn Teufelszeug sei, Meisner also, der für Abschottung steht und somit genau für das, was ein Bischof in einem weltoffenen Berlin nicht leben darf. Woelki selbst, der auf absehbare Zeit auch zum Kardinal erhoben werden wird, hat seine Duftmarken vor einigen Jahren als Kölner Bischof gesetzt, als er einen Theologen maßregelte, weil der in einer Aufklärungsbroschüre schrieb, es gebe "auch Männer, die Männer lieben".


Und so musste man denn auch da nicht lange warten, bis der LSVD seine Empörungsreflexe erneut animierte: "Damit wird der Dialog mit der Katholischen Kirche erschwert!" wurde geschäumt, obwohl es einen solchen Dialog überhaupt nicht gibt. Ärgerlich, dass der LSVD Woelki in einer Pressemitteilung zum Gespräch einlädt, eine Einladung, die von der Form her niemand ernst nehmen kann, am wenigsten der Bischof selbst. Und spätestens, als der LSVD in derselben Erklärung dann auch noch zum Ausdruck bringt, am schwulen Wesen müsse die Welt genesen, indem der Verband betont, gerade am Umgang mit Homosexuellen werde sich zeigen "wie menschenfreundlich Rainer Maria Woelki" sei, spätestens da fragt man sich, ob es der LSVD nicht auch eine Nummer kleiner hat.


Eine Rolle beim Papstbesuch wird auch das widerliche Treiben von Pädo-Priestern spielen, das Benedikt XVI. aufs Schärfste verurteilt und für die er sich entschuldigt hat. Homosexualität und Kindesmissbrauch haben zwar nichts miteinander zu tun, gleichwohl stellt die "Süddeutsche Zeitung" einen interessanten Bezug her: "Eine Kirche, die gegen sexualisierte Gewalt eintritt, aber Schwulen seelische und - sofern sie im Kirchendienst sind - disziplinarische Gewalt antut, hat ein latentes Glaubwürdigkeitsproblem."


Auch hierauf wird der Papst eine Antwort geben müssen.


All die berechtigte Kritik an der Katholischen Kirche müsste ernstzunehmende und auch mächtige Kritiker auf den Plan rufen. "Mächtig" im Sinne dessen, dass sie gehört und von der allgemeinen Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden. Es gibt diese mächtigen Kritiker zwar, aber es gibt sie nicht in der schwulen Community. Die Tiraden eines Rosa von Praunheim werden in den Redaktionen der Nicht-Gay-Medien kaum oder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, weil sich eben jene Tiraden in ihrer Schrillheit und in ihrer Lautstärke seit Jahren schon vollkommen abgenutzt haben. Und David Berger ist seit dem Erscheinen seines Buches "Der schöne Schein" zwar zum Hätschelkind der TV-Talks mutiert, bemerkt aber scheinbar nicht, dass seine Eitelkeit, die zunehmend unerträgliche Ausmaße annimmt, seiner Glaubwürdigkeit immer mehr im Wege steht. Vordergründig führt er einen Kampf gegen den bösen Papst und sein übles Bodenpersonal, dabei pflegt der Mann aber auch derart offenkundig sein Ego, dass er, der sich viele Jahre lang von der nun von ihm kritisierten Katholischen Kirche den Kühlschrank füllen ließ, als glaubwürdiger Kritiker ausfällt. Und der LSVD? Anfang 2011 haben acht evangelische (!) Altbischöfe einen Bannbrief gegen Homosexuelle geschrieben. Hierzu hat man weder vom LSVD, und auch nicht von Rosa von Praunheim oder David Berger, bislang etwas vernommen. Glaubwürdig ist das nicht.

 

Holger Doetsch

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Kommentare: 2
  • #1

    Johanna Schall (Dienstag, 26 Juli 2011 20:55)

    Wahrlich ich sage euch:
    Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt,
    das habt ihr mir getan.

    Ich finde ihr Artikel geht ein wenig unausgewogen vor. Die katholische Kirche ist eine Institution und nicht nur viele Einzelne mit unterschiedlichen Meinungen. Ihr Einfluss ist immer noch ungeheuer gross und also auch ihre Verantwortung. Und deshalb genügt kein "Entschuldigung" des Papstes für unzählige Fälle von Kindesmißbrauch, die von der Institution verheimlicht, unter den Teppich gekehrt und geleugnet wurden. Und "Umgang mit Respekt" bleibt eine Worthülse, solange die Doktrin nicht geändert wird.
    Wenn dann einige Menschen "zu" schrill reagieren, liegt das möglicherweise an der immer noch offiziellen Ignoranz der Institution.
    Johanna Schall

  • #2

    Harald (Samstag, 24 September 2011 20:24)

    Es ist auf jeden Fall sehr interessant die verschiedenen Ansatzweise und Denkweisen der Menschen zu lesen. So denkt einfach jeder anders über das Thema und interpretiert vieles in verschiedene Richtungen.

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