Die Groupies von Karl-Theodor zu Guttenberg: Verblendet? Verblödet? Oder beides?

von HOLGER DOETSCH

Die heutige Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" scheint schon veraltet zu sein. Auf dem Titel sieht man vor dramatisch rotem Hintergrund eine Büste von Karl-Theodor zu Guttenberg, die aus ihrer Verankerung gerissen worden ist. Karl-Theodor zu Guttenberg demoniert? Mitnichten, wenn man dem sozialen Netzwerk "Facebook" Glauben schenken mag.

Ruckzuck haben da irgendwelche Administratoren, die selten gesondert in Erscheinung treten, Seiten eingerichtet, etwa "Wir wollen Guttenberg zurück". Diese Seite hat zum Zeitpunkt des Beginns der Niederschrift dieses Textes satte 492.313 Damen und Herren, denen die Intention der Seite angeblich gefällt. Die also ausdrücken wollen, dass sie ihren "Gutti" wiederhaben wollen, da sie ohne ihn wohl kaum mehr einen Sinn in ihrer Existenz ausmachen. Fast wäre man geneigt, weitere Seiten einzurichten auf "Facebook", um damit deutlich zu machen, wie peinlich "Facebook"-Nutzer sein können. Ja, die Groupies ließen sich vorzüglich vorführen, all die Gefallsüchtigen mit ihrer "Gefällt-mir!"-Neurose, die jegliche Fakten ausblenden und dabei allem hinterherzulaufen scheinen, was ihnen opportun zu sein scheint: "Bei Adolf war nicht alles schlecht!". "Her mit der Todesstrafe für Kinderschänder!". "Für die Zwei-Promille-Grenze am Lenker!". "Für die Wiedereinführung des Großen Mutterkreuzes (1. Preisträgerin: Ursula von der Leyen!)". Ja, solche Seiten sollte man demnächst einrichten. Weil es allesamt Seiten wären, die binnen kurzer Zeit Tausende an Unterstützern fänden. Und weil es allesamt Seiten wären, durch die deutlich werden würde, welches Ausmaß an Angst einflößender Blödheit in diesem Land zu herrschen scheint.
Nun ist die Wochenzeitung "Die Zeit" eine intellektuelle Zeitung, gemacht also für denkende und mündige Bürgerinnen und Bürger, die einer gewissen Bildungsschicht zugeordnet werden können. Jener Bildungsschicht also, die erfolgreich Sturm gelaufen ist gegen den Versuch von Teilen der Bundesregierung, zu Guttenbergs Plagiat zu verniedlichen und/oder vergessen zu machen. Selbst wenn man einkalkuliert, dass von diesen 492.313 "Gutti"-Fans wohl mindestens 200.000 Fakes sind - es gibt ja inzwischen Programme, mit denen solche Zahlen erheblich aufgehübscht, also gefälscht werden, was ja wiederum prima zum Thema "Dr. zu Guttenberg" passt... - dann bleiben immer noch eine große Menge an Menschen, die man nicht verstehen mag. Wer sind sie? Was wollen sie? Sie, die sämtliche Fakten ausblenden? Sind sie verblödet? Verblendet? Oder beides? Wie anders könnte man zu dieser harschen Frage kommen angesichts der Fakten, den nicht zu widerlegenden Fakten, die auf dem Tisch liegen? Dass dem offensichtlich sehr mittelmäßigen Studenten Karl-Theodor zu Guttenberg - so hat es der "Tagesspiegel" (Berlin) recherchiert, leider ging die Berichterstattung hierüber unter, weil "KT" am Tag des Erscheinens des entsprechenden Artikels abtrat - unter zweifelhaften Umständen von einem CSU-Parteifreund die Ausnahmegenehmigung erteilt wurde, diese Doktorarbeit überhaupt schreiben zu können, eine Arbeit, die dann in weiten Teilen plagiiert war und trotzdem mit der Bestnote "summa cum laude" ausgezeichnet wurde, wobei sie eigentlich "summa cum fraude" war. Der Verdacht der Vorteilsnahme also steht im Raum, der Vorwurf des Diebstahls des geistigen Eigentums anderer ist erwiesen, hinzu kommen Analysen von Sprachforschern und Rhetorikprofessoren, wonach "KT" bei alledem auch noch ein Heuchler und Blender ist. Ja, viele ernstzunehmende Zeitungen dieses Landes haben nämlich am Tage nach zu Guttenbergs Rücktritt dessen Rede analysiert und sind allesamt zu der Feststellung gelangt: Da hat sich einer nicht entschuldigt für seine Vergehen, sondern da hat sich einer reinzuwaschen versucht auf Kosten etwa der ihm anvertrauten Soldatinnen und Soldaten, die kurz zuvor im Afghanistan-Krieg gefallen sind. Versucht? Es scheint gar gelungen zu sein. Wenn man den Facebook-Guttenberg-Groupies Glauben schenken will, die trotz der auf dem Tisch liegenden Fakten diesen gerade erst abgetretenen Mann zurückhaben wollen, ihr Verlangen gar semi-juristisch und/oder semi-intellektuell unterstreichen mit abenteuerlichen "Argumenten" ("Wir machen doch alle Fehler...!" etc.), wobei semi-intellektuell ja mit "dumm" gleichgesetzt werden kann. Unter den Unterstützerinnen und Unterstützern lassen sich gar Juristen finden, von denen man aber nicht wirklich wissen will, wie und wo sie ihre Ausbildung genossen haben oder aus welchem Semester sie gerade ihr juristisches Halbwissen in die Welt pupsen.
Derweil möchte man manchmal ein Mäuschen sein. Etwa unter dem Frühstückstisch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ihrem Gatten Prof. Joachim Sauer, der Mann ist eine wissenschaftliche Koryphäe, seit Jahren schon im Gespräch für den Chemie-Nobelpreis. Was wird dieser Mann mit dieser exzellenten Vita wohl seiner Frau gesagt haben zu ihrem Versuch der Verniedlichung von zu Guttenbergs Vergehen (Dr. Merkel: "Ich habe den Mann nicht als Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktor, sondern als Minister eingestellt" etc.)? Man vermag es sich vorzustellen, was Prof. Sauer dazu gesagt hat...
Und man wäre auch gerne Mäuschen im Schloß derer zu Guttenberg, weil das Guttenberg´sche Schloß ja recht einsam in der Gegend herumsteht, da kann es der gemeine Bürger nicht hören, wenn Gutti und Steffi am Abend ein Glas Wein miteinander genießen, dabei bei "Facebook" reingucken und sich schallend ausschütten über die, die sie da unterstützen. Das tut nämlich jeder vernünftige und gebildete Mensch, der sich dieses lächerliche Treiben auf dieser peinlichen und anbiedernden "Facebook"-Seite ansieht, die jetzt, wo der Autor langsam seinen Text beendet, bereits 513.939 Unterstützerinnen und Unterstützer hat. Ja, sie werden wohl schallend lachen über so viel Blödheit, denn zu Guttenberg mag ein Schummler, Dieb und Heuchler sein, aber dumm, dumm ist der Mann (und seine Gattin) sicherlich nicht. Der Autor dieses Zwischenrufs hat übrigens im Moment exakt 1.974 "Freunde". Noch. Wenn dieser Text erscheint, dann wird diese Zahl wohl mehr oder weniger empfindlich schrumpfen, denn die Konfrontation mit der Wahrheit ist ja nur schwer zu ertragen, vor allem dann, wenn sie höhnisch daher kommt. Um keinen der Gutti-Groupies aber, der geht, ist es wirklich schade!

 

Holger Doetsch

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