Des Kaisers neue Kleider - Dr. zu Guttenberg war zu ehrlich

von FLORIAN PASTERNY

Guttenberg sprach die unbequemen Wahrheiten der Regierung aus und war ein ehrlicher Minister. Er benannte die Mission Afghanistan als Erster Krieg, er war ehrlich gegen eine Opel-Staatshilfe und musste sich dann doch der Regierung beugen. Er wollte keine Rettung für Quelle und schuf die unsägliche Wehrpflicht, gegen viele Gegner, auch aus den eigenen Reihen, ab.

Zu Guttenberg war ein Vorbild für viele Menschen. Er brachte Symphatien zusammen, Politikverdrossene wurden Politikinteressierte. Er hatte Neider. Zweifelsohne kamen die aus dem Journalismus, aus der Opposition, ja sogar aus den eigenen Reihen, wie unsere Bildungsministerin Empörmutti Schavan in der SZ beispielhaft belegen konnte.
Gummibärchen Gabriel samt dem Kleinen Muck Oppermann im Arme mit Herrn Bonusmeile Özdemir und Pool-Affäre Scharping gegen einen großen Visionär - eine Legende - einem Menschen mit Profil.
In einem Land, in der die Langeweile, profillose Politik und der Hang zur gegenseitigen Empörung zum festen Standard einer Gesellschaft gehört, sticht ein Karl-Theodor zu Guttenberg eben heraus. Wenn die Wahrheit etwas besonderes ist, dann war zu Guttenberg etwas besonderes.

Er hat Teile seiner Arbeit abgeschrieben oder abschreiben lassen. Er vergaß Fußnoten und Quellenangaben. Ob vorsätzlich oder nicht, wird sich herausstellen. Und dennoch nehmen sich Menschen in unserem Land, die wahrlich auch eine Vorbildfunktion haben sollten, heraus, KT zu Guttenberg, ohne vorherige Verurteilung, eine moralische wie strafrechtliche Vorverurteilungskeule zu schwingen, die jeder gesunden Ethik spottet. Es ist geradzu ein Skandal, wie sich Opposition, die armen Wissenschaftler der Forschung, die Grünschnäbel und angehenden Doktoren der Univeritäten und gerade auch die Uni Bayreuth verhält und verhalten hat.

Wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein. Die Empörcasperei nimmt gar kein Ende mehr. Wer ist denn ohne Schuld?
Zu Guttenberg wird kein schlechterer Verteidigungsminister, weil er keinen Doktortitel trägt. Er kam aus einem schwierigen Elternhaus und hatte es als Kind wahrlich nicht leicht. Es kam der Druck aus der eigenen Familie und er war zugleich junger Wissenschaftler, junger Politiker und frisch gebackener Familienvater. Er hat einen Fehler gemacht, der Doktortitel ist weg und das zurecht. Darüber müssen wir nicht streiten.

Trittin nennt den Vorfall eine Blamage für die Kanzlerin. Ich nenne diesen Vorfall eine Blamage für die Opposition, für die Universitäten in Deutschland und für 1/3 der Bevölkerung Deutschlands.


Florian Pasterny

Kommentar schreiben

Kommentare: 10
  • #1

    Chris Imke (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:04)

    HAHA zu ehrlich. HAHA

  • #2

    Christa (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:04)

    Wundervoll, witzig und sehr richtig.

  • #3

    Conny Koppers (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:09)

    :))) ich weiß nichts, weder über den herrn gutenberg noch über bundeswehrreform. die schlagzeilen sind so oberflächlich, die zeitungen kommen aus allen richtungen und der wind weht sie vor sich her....in ein bis zwei wochen interessiert das keinen mehr....

  • #4

    Evamaria Kosso (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:10)

    You sound like a groupie!
    Möchten Sie gerne angelogen werden? Möchten Sie gerne einem Hochstapler aufsitzen? Mehr Schein als Sein mit nicht mehr als einem guten Namen dahinter. Seit die Monarchie abgeschafft ist, läßt sich so mancher gerne von 'von und zu's blenden.

  • #5

    Michael Erech (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:10)

    Respekt. Gut geschrieben und ehrlich.

  • #6

    Merit Seto (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:11)

    Nimm die rosa Brille ab, Flo. -.- der Mann widerspricht sich selbst ständig, lässt nur soviel Wahrheit raus, wie er auf keinen Fall mehr widerlegen kann und wirklich tolles hat er auch nicht auf die Reihe gekriegt. (Nein, die Bundeswehrreform ist NICHT toll)

  • #7

    Julia Eschbach (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:11)

    Sie treffen den Kern des Geschehens. Ich finde dies auch eine inszinierte Kampage der Bundesregierung und hoffe das Guttenberg bald wieder da ist.

  • #8

    Kathleen (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:12)

    Guttenberg hat eine starke Sog- und Zugkraft: dynamisch, jung, forsch im Auftritt - Eigenschaften, die man bei den meisten Politikern vergeblich sucht. Guttenberg fasziniert mit seinem Wesen und ist sich dabei seiner Wirkung auch bewußt. Seine politischen Fähigkeiten sind vor diesem Hintergrund nicht entscheidend. Seine Popularität fußt auf seiner Erscheinung, nicht auf seinen Leistungen. Die im Blog erwähnten Punkte sind typisch: Sachverhalte werden vereinfacht und komprimiert dargestellt. Dabei folgt Guttenberg einem ernüchternd simplen Muster: Für Fehler werden umgehend andere abestraft oder entlassen. Bei neuen Erkentnissen ändert sich die Meinung des Ministers wie selbstverständlich um 180 Grad - stets im Bruston der Überzeugung, dass es nie anders war. Die von Guttenberg gefahrene Salamitaktik ist unerträglich und bezeugt seine Unfähigkeit, seine eigene Person aus dem Fokus des Problems zu ziehen. Guttenberg hätte sich treu bleiben können, wäre er umgehend und offensiv den Vorwürfen nachgegangen. Er tat dies nicht. Statt dessen widmete er seine Kraft einer Selbstinszenierung. Wenn Guttenberg am Wochenende nach seiner ersten Pressekonferenz seine Meinung revidierte, da er nun die Zeit gefunden hatte, die Arbeit neu zu begutachten, so ist das nicht schlimm sondern peinlich. Wie konnte er eine PK halten, wenn er seine Arbeit nicht kannte? Und wer glaubt, dass Guttenberg über 100 Seiten seiner Arbeit nur zufällig abgeschrieben hat, mit dem ist jegliche sachliche Diskussion vergeblich.
    Es ist richtig, dass es nicht um den Doktortitel ging. Die Frage ist allein: wenn Guttenberg a) unbewußt eine halbe Dissertation abgekupfert hat (und dies ist für jeden Menschen online nachprüfbar, selbst der Doktorvater stimmt darin überein), sich dessen aber nicht bewußt ist - was sagt das über seine Fähigkeiten aus, Situationen nüchtern zu analyisieren und gegebenfalls auch verantwortungsbeußt Truppen entsprechend zu kommandieren bzw. b) wenn er bewußt gelogen hat - was sagt das über seine Glaubwürdigkeit und sein Umgang mit Kritik an seiner Person aus? Guttenberg hätte durch nüchterne Politik überzeugen müssen - er gab der Masse aber nur das Glitzern eines Popstars, der bei seinem kometenhaften Aufstieg an sich selber verglüht ist.

  • #9

    Shanti (Mittwoch, 27 Juli 2011 11:12)

    Wie im Märchen DES KAISERS NEUE KLEIDER bestätigt man sich wechselseitig, prächtige Vorzüglichkeiten zu sehen und spendet allerhöchsten Beifall, wo ein unbefangener Betrachter nichts zu erkennen vermag. Erfordert es denn ein Übermaß an Überwindung, zuzugeben, einem Blender auf den Leim gegangen zu sein? Und wozu dieser ganze Lärm um nichts? Hochstapler hat es doch schon immer gegeben (freilich nicht oft so sturzdumme).

  • #10

    Ralf (Sonntag, 31 Juli 2011 15:02)

    Und was ist mit der Tatsache, daß er im Bundestag nicht nur die Regierung, sondern das ganze deutsche Volk belogen hat, was seine Dissertation an geht? Der Mann kann lügen ohne rot zu werden. Wer weiß, wie oft er schon vorher uns alle angelogen hat und wir es ihm einfach so geglaubt haben! Der KT ist unhaltbar gewurden als Spitzenpolitiker. Nur mal angenommen, er hat seine Dissertation von einem Ghostwriter schreiben lassen, denn kann der Ghostwriter jetzt den KT erpressen, sonst würde er es öffentlich machen. Und wer soll dem KT glauben, wenn er sagt, daß er die Dissertation selbst geschrieben hat, nachdem er bewiesen hat, wie gut er lügen kann?
    Und immer dieses Gerde über Vorverurteilungen. War KT nicht derjenige der den Kapitän Schatz ohne ihn überhaupt die Chance zu geben sich zu rechtfertigen des Kommandos entbunden hat? Das war eine Vorverurteilung ohne gleichen, denn KT hatte zumindestens die Chance sich zu rechtfertigen und die Wahrheit zu sagen, aber diese er hat selbst verbockt, somit ist er alleine Schuld an seinem Sturz, sonst keiner.

Die aberwitzige Denkweise der Deutschen

Die Deutschen sind stolz auf ihren Umgang mit dem Holocaust, dem Dritten Reich und Israel. Konterkariert doch einzig die Verwendung von großen und stolzen Mahnmalen das Vergessen der Geschichte. Unsere Mahnmale sind nichts weiter als institutionelle Heucheleien der Ewiggestrigen. Auschwitz verkommt zur Vergnügunsplattform frühreifer Studenten und Schüler, die Mahnmale in Berlin für Juden, Homesexuelle und Sinti und Roma sind nichts weiter als protzende Scheinheiligkeiten und Gleisnereien. Mehr

"Kindersex ist Menschenrecht"

Volker Beck sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag. In den 70er und 80er Jahren hat sich Volker Beck als Freund der Pädophilen hervorgetan und genießt die Rolle sehr. Im Leopardi Buch ließ er einen Artikel veröffentlichen, der damals wie heute Fragen aufwirft und für Diskussionen sorgt. Mehr

Pasternys Plausch -

Der Radiotalk

Twitter

Empfehlen Sie uns weiter