Die Gewohnheit des Zweifelns

von FLORIAN PASTERNY

 

Leben ohne zu handeln. Die kurze Zeit des Lebens zwischen Geburt und Tod durch das Schicksal bestimmt? Oder doch irgendwie alles reiner Zufall?

Meine Theorie reicht weit. Grundlegende und evidente Wahrheiten, wie wir sie häufig von Philosophen, Wissenschaftlern und Forschern vorgesetzt bekommen, zweifel ich an. In Teilen zumindest.

Ich will mich nicht auf eine Aussage festgelegen, ob es etwas an sich wahres im Leben gibt; aber ich mache Aussagen über die Möglichkeit einer falschen gesicherten Erkenntnis des Wahren unter der hypothetischen Voraussetzung, dass es existiert. Oder eben nicht.
Eigentlich verwende ich meine Zweifel nicht, um alles skeptisch zu sehen. Die Zweifel sind eher Mittel zum Zweck um selbst Wissen und Denken zu entdecken. Nichts Gesichertes - denn dies scheint unmöglich. Aber zumindest Geteiltes. Ein Glauben. Weitgehend. Vielleicht ähnlich wie Religion. Selbst die Religion findet an gesicherten Erkenntnissen Unwahrheiten. Ob zurecht oder nicht, obliegt nicht mir zu entscheiden.

De omnibus dubitandum - an allem ist zu Zweifeln. Dies sagte auch schon René Descartes. Aber auch jener meinte seinerseits: "Cogito ergo sum - Ich denke, also bin Ich". Genau diese Theorie versuche ich zu durchbrechen. Erinnern wir uns an den ersten Satz dieses Artikels. Leben ohne zu handeln. In Ansätzen hat es auch damals Franz von Baader gedacht. Aus "Cogito ergo sum" formte er den Satz: "Cogitor ergo sum - Ich werde gedacht, also bin Ich". Gedacht von wem? Gott? Schicksal? Gehen wir nicht mehr darauf ein und nennen es einfach "Das Absolute".

Ich werde vom Absoluten gedacht, also bin Ich. Oder anders gesagt, "also kann ich sein". Aber dann doch nur ich? Alle anderen um uns herum wären Marionetten. Wie ein Theaterstück. Jeder kennt seine Rolle und Dialoge. Nur ich nicht.
Stellen wir doch einmal für ein paar Minuten die nachweisbaren Erkenntnisse von Wirklichkeit und Wahrheit in Frage und schließen diese danach prinzipiell aus. Was passiert mit uns? Das gleiche wie mit allen, die das wirklich tun. Man schwebt über der Welt. Sehen Menschen, Tiere, Religionen, Liebe, Leid, Tod, Geburt, Frieden und Krieg. Das sind wir. Alles echt? Oder ein Konstrukt des Absoluten?


Wenn wir die Wahrheit des Absoluten postulieren - mit allen Vorzügen und wohl sehr ausgeprägten Nachteilen - erkennen wir eine Wahrheit, die uns nicht gefallen wird. Amoralisten vielleicht. Aber wer möchte sich in der heutigen Zeit noch gegen moralisch hergeleitete Normen auflehnen? Ich nicht. Nie. Wirklich.


Florian Pasterny

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